Wirtschaft : Unbeirrbar

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Ein echter Leader“, sagt ein Vorstandskollege über den großen Boss. Jürgen Schrempp, seit 1995 an der Spitze von DaimlerBenz, führt das Unternehmen souverän. Und künftig auch ziemlich uneingeschränkt. Denn das Führungsgremium des Konzerns besteht ab 2005 nur noch aus Schrempp-Vertrauten und -Schülern. Bis 2008, so lange läuft Schrempps Vertrag, kann die Nummer eins schalten und walten, wie sie will.

Der ruppige und entscheidungsfreudige Schrempp löste 1995 den feinsinnigen Edzard Reuter ab. Der hatte versucht, Daimler-Benz zu einem Technologiekonzern zu machen. Doch nicht einmal die Sanierung der AEG gelang im Verlauf vieler Jahre. Schrempp steuerte brachial um, ließ unter anderem den von ihm selbst gekauften Flugzeughersteller Fokker abstürzen und verkaufte alle möglichen Bereiche, die nichts mit dem Autogeschäft zu tun hatten. Auf dem Höhepunkt seiner strategischen Könnerschaft sah sich Schrempp im Mai 1998. In wenigen Monaten hatte er mit dem Chrysler-Chef Bob Eaton und einigen Eingeweihten die Details einer der größten Fusionen aller Zeiten geklärt. Da Bescheidenheit nicht zu seinen Haupteigenschaften gehört, jubelte Schrempp über die „Hochzeit im Himmel“ und versprach das profitabelste Autounternehmen der Welt.

Gut zwei Jahre später entpuppte sich Chrysler als Sanierungsfall; Milliarden wurden in die Umstrukturierung gesteckt, Zehntausende verloren ihre Arbeit. Nicht viel mehr Glück hatte Schrempp mit Mitsubishi. Die Japaner, an denen Daimler-Chrysler zu 37 Prozent beteiligt ist, fallen seit Jahren durch schlechte Nachrichten auf und brauchen nun weitere Milliarden. Schrempp ficht das kaum an. Unbeirrt steuert er die Welt AG, setzt dabei auf Zeit und auf die Geduld der Aktionäre. Denn Schrempp, in Deutschland lautstärkster Befürworter des Shareholder-value-Kapitalismus, hat den Börsenwert des Unternehmens noch stärker geschmälert als sein Vorgänger. alf

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