Wirtschaft : Und Tunis leugnet

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Der beste Witz zum UN-Gipfel über die Informationsgesellschaft war bis jetzt, dass er in Tunesien stattfand – also in einem Staat, in dem die Beschränkung der Pressefreiheit und der freien Meinungsäußerung selbst für arabische Verhältnisse extrem ist. Seitdem sich der Ruf des Regimes von Präsident Ben Ali noch vor dem offiziellen Beginn des Gipfels bestätigt hat, lacht allerdings niemand mehr.

So wurde der Reporter der französischen Zeitung „Libération“, Christophe Boltanski, der über die repressive Politik des Landes schrieb, zusammengeschlagen und mit einem Messer verletzt. In Tunis wurde daraufhin behauptet, dass zwei Verdächtige festgenommen worden seien und dass die Berichterstattung aufgebauscht sei. So etwas könne in jeder Hauptstadt auf der ganzen Welt passieren. (Worte, die man sich merken sollte.) Wer auch immer für den Angriff verantwortlich war – die Presse ist nicht wirklich willkommen in Tunis. Belgische Kameraleute berichteten, dass sie von Sicherheitskräften aus dem Auto gezogen wurden; ihre Ausrüstung wurde ihnen abgenommen und später zurückgegeben – ohne Film.

Auch diesen Vorfall leugnet die tunesische Regierung, obwohl es zahlreiche Zeugen gibt. Wieder ein anderer Reporter berichtet, dass ein Mann, den er auf der Straße interviewte, von Polizisten beiseite gezogen wurde und sich, nachdem die Polizisten auf ihn eingeredet hatten, weigerte, weiter mit dem Reporter zu sprechen.

Die UN unterstützen die Reporter nur wenig. Der Generalsekretär der Internationalen Fernmelde-Union (ITU), Yoshio Utsumi, sagte, dass er nur die Freiheit und Sicherheit der Journalisten garantieren könne, die auch für den Gipfel akkreditiert seien. (Boltanski war offensichtlich nicht registriert.) „Ich warne Sie, dass jede Stadt in der Welt unsicher ist und dass Sie auf sich aufpassen müssen“, sagte er weiter. Klingt das nicht bekannt?

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