Ungeliebter Biosprit : Kein E10 im Tank

Zwei von drei Autofahrern haben bis heute noch kein E10 getankt. Mit dem Bio-Benzin verbinden sie vor allem Angst: Es kann den Motor zerstören. Andere tanken den Bio-Sprit ganz bewusst - aus einem anderen Grund.

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Super oder Super E10? Deutschlands Autofahrer haben sich klar entschieden.
Super oder Super E10? Deutschlands Autofahrer haben sich klar entschieden.Foto: dapd

Noch nicht mal seinem Vater könne er diesen Sprit verkaufen, bedauerte Hans-Christian Gützkow, Deutschland-Chef des Mineralölkonzerns Total, neulich in kleinerer Runde. Er habe seinem Senior versichert, dass sein Auto das Anfang 2011 neu eingeführte Superbenzin E10 auf jeden Fall vertrage. „Doch nachdem er ein Interview mit einem Ingenieur eines großen Autoherstellers gelesen hat, der das Gegenteil behauptete, tankt er weiter nur normales Super E5“.

Gützkows Vater befindet sich in großer Gesellschaft, wie eine am Montag in Berlin vorgestellte Umfrage des Instituts TNS Infratest ergab. Auftraggeber war der Bundesverband der deutschen Bioethanolwirtschaft (BDBE). Demnach haben zwei Drittel der Autofahrer bis heute noch nie E10 getankt. Lediglich 33 Prozent der Fahrer, die es tanken können, haben es zumindest ein Mal getan. Vor einem Jahr waren es nur ein Viertel (24 Prozent). Das hing allerdings auch damit zusammen, dass dieser Sprit, der zehn statt der üblichen fünf Prozent Bioethanol enthält, damals noch nicht flächendeckend verfügbar war. Dabei gehen Experten davon aus, dass weniger als fünf Prozent der Pkw den Sprit auf lange Sicht nicht vertragen können. Dort besteht theoretisch die Gefahr, dass Ethanol Metall- und Kunststoff-Bauteile angreift. Es könnte sich auch Wasser im Motor einlagern, heißt es. Eine Liste der betroffenen Fahrzeuge hat die Deutsche Automobil Treuhand (DAT) veröffentlicht.

Sieben von zehn Autofahrern begründeten ihre Zurückhaltung nach wie vor mit diesen technischen Bedenken. Die Aussagen der Fahrzeughersteller zur Verträglichkeit von E10 erreichten die Autofahrer offensichtlich nicht, bedauerte BDBE-Geschäftsführer Dietrich Klein die Ergebnisse. Dabei sei E10 ein Beitrag zur Energiewende im Straßenverkehr. Wer E10 tankt, tut dies vor allem wegen des Preisvorteils gegenüber dem herkömmlichen Super E5, ergab die Umfrage. Derzeit beträgt dieser rund drei Cent je Liter. 78 Prozent der Autofahrer nannten dies als Grund.

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