Wirtschaft : Union will Biodiesel noch stärker fördern

Bauern und Hersteller hoffen, dass Feinstaub-Debatte den Absatz des Kraftstoffs steigert – wenn auch nur beiNutzfahrzeugen

Corinna Nohn/Maren Peters

Berlin - Der Deutsche Bauernverband befürchtet, dass die steuerliche Förderung für Rußfilter Biodiesel für Autofahrer völlig unattraktiv machen wird. „Da sich Biodiesel und Pkw-Partikelfilter nicht vertragen, wäre die staatliche Förderung des Filters das Aus für den Biodiesel bei Pkw“, sagte Verbandssprecher Dieter Bockey dem Tagesspiegel am Sonntag. In der Debatte um die Lösung des Feinstaub-Problems haben Unionspolitiker unterdessen Ausnahmen für den Alternativ-Sprit gefordert. „Biodiesel und andere saubere Biokraftstoffe sollten von den drohenden Auflagen wie Rußfilter und Fahrverboten in den Städten ausgenommen werden“, sagte der CDU-Bundestagsabgeordnete Helmut Lamp dieser Zeitung. Biodiesel erzeuge bis zu 60 Prozent weniger Ruß als normaler Diesel. „Ich glaube nicht, dass wir dafür einen Filter brauchen.“

Die Bundesregierung hat am Wochenende bestätigt, dass die steuerliche Förderung für Dieselfahrzeuge mit Rußpartikelfiltern so schnell wie möglich vorangetrieben werden soll. Eine entsprechende Vorlage im Bundeskabinett hat das Bundesumweltministerium für Mai angekündigt. Für nachträglich eingebaute Rußfilter soll es in diesem Jahr einen Zuschuss von 250 Euro geben. Ab 2006 gibt es nur noch eine stattliche Förderung für Neuwagen in Höhe von 350 Euro.

Biodiesel ist – da von der Mineralölsteuer befreit – preiswerter als normaler Diesel. Am Freitag lag die Differenz an der Tankstelle bei knapp zwölf Cent. Er verschmutzt die Luft weniger und wird zudem aus einer nachwachsenden Energiequelle gewonnen: der Rapspflanze. Rußfiltern bekommt er trotzdem nicht. „Der Biodiesel enthält zu viele andere Stoffe, die der Filter nicht verarbeiten kann“, sagt ein VW-Sprecher. Der Absatz ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen: 2004 wurden erstmals über eine Million Tonnen Biodiesel verkauft. Das waren knapp vier Prozent des gesamten Dieselverbrauchs, aber immer noch weniger als zwei Prozent des Gesamtkraftstoffverbrauchs in Deutschland.

Der Verband Deutscher Biodieselhersteller hofft, dass die Debatte um Feinstaub dem Sprit vom Acker zu noch größerer Nachfrage verhilft. „Im Gegensatz zu den Partikelfiltern, die – soweit sie verfügbar sind – erst einmal eingebaut werden müssen, ist der Biodiesel ja schon heute problemlos erhältlich“, sagt die Vize-Chefin des Verbands, Karin Retzlaff. Sie hält einen Absatz von über 2,2 Millionen Tonnen Biodiesel für möglich. Große Chancen rechnet sie dem Alternativ-Sprit vor allem bei Nutzfahrzeugen und den Fahrzeugflotten der Kommunen aus: „Die Städte sind jetzt am Zuge, etwas zu tun, um die EU-Grenzwerte einzuhalten“, sagt Retzlaff. Auch der Bauernverband setzt vor allem auf Lkws. „Wir wünschen uns, dass mehr Städte und Gemeinden ihre Bus- und Lkw-Flotten auf Biodiesel umstellen“, sagte Sprecher Bockey. Wenn man die Preisdifferenz für Großabnehmer zwischen Bio- und herkömmlichem Diesel von knapp 18 Cent pro Liter betrachte, sei es verwunderlich, dass hoch verschuldete Städte wie Berlin das nicht schon längst getan hätten.

Auch das Bundesverkehrsministerium hält Biodiesel für „förderungswürdig“, wie ein Sprecher sagte. Allerdings sei das Potenzial durch die landwirtschaftliche Anbaufläche sehr begrenzt. Der Mineralölwirtschaftsverband bleibt skeptisch. Die Produktion von Biodiesel sei „nicht wirtschaftlich“, sagt eine Sprecherin. Die Herstellungskosten pro Liter beliefen sich auf etwa 60 Cent – statt 30 Cent beim Mineralöldiesel. „Biodiesel lässt sich nur verkaufen, weil er stark subventioniert wird.“

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