Wirtschaft : Unsicherheit lähmt die Börsen

Die Kriegsgefahr wächst – Pessimisten erwarten neue Tiefstände

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Frankfurt (Main)/New York (rtr/pf). Ein drohender Krieg der USA gegen den Irak könnte die deutschen Aktienmärkte nach Einschätzung von Börsianern in dieser Woche auf neue Tiefstände drücken. Dabei dürften erneut die Technologiewerte am stärksten leiden, sagten Experten.

„Wegen des Irak-Konfliktes gibt es große Unsicherheit, und Unsicherheit ist nie gut für die Märkte“, sagte Aktienstratege Klaus Schlote von Dresdner Kleinwort Wasserstein. Der Markt habe die jüngste Rede des US-Präsidenten dahin interpretiert, dass ein US-Militärschlag immer wahrscheinlicher werde. Börsianer sagten zudem, die Kurse würden vor der Bundestagswahl am 22. September weiter stark schwanken.

In der vergangenen Woche hat der Deutsche Aktienindex (Dax) mehr als fünf Prozent auf aktuell rund 3300 Punkte verloren. Bei 3235 Punkten liegt das zuletzt Anfang August markierte Fünfjahrestief des Börsenbarometers. Experten sagten, aus charttechnischer Sicht sei es entscheidend, dass diese Marke halte, wenn es nicht noch weiter bergab gehen solle. Überproportional starke Kursverluste dürften in einem weiter fallenden Markt erneut die deutschen Technologiewerte wie Infineon, Epcos und SAP hinnehmen, glauben Fondsmanager.

Folklore an der Wall Street

An der New Yorker Wall Street greifen Börsianer inzwischen zu folkloristischen Weisheiten, um deprimierten Investoren Hoffnung zu machen. Zur Zeit macht der Halloween-Indikator die Runde: Nach dem Hexenfest vom 31. Oktober werde alles besser, lautet eine Bauernregel. Doch selbst Abergläubische lassen sich davon nicht aus dem Abseits locken. Zwar hat der Verkaufsdruck etwas nachgelassen, doch die Wochenverluste summieren sich: Der Dow-Jones-Index für 30 Standardwerte verlor 1,4 Prozent auf 8312,69 Zähler, der breitere Standard&Poor’s-500-Index 0,5 Prozent auf 889,81 Zähler. Allein im September – seit 1971 der schlechteste Börsenmonat – fiel der S&P um knapp vier Prozent zurück. Technologieaktien konnten der Abwärtsbewegung besser trotzen: der Nasdaq-Index gab um 0,3 Prozent auf 1291,4 Zähler nach.

Etliche Börsentechniker versuchen, mit historisch untermauerten Statistiken eine bessere Stimmung herbeizuzaubern. So berichtet das Anlegerblatt „Barron’s“, die Börsen-Performance sei in der Sechsmonatsperiode zwischen November und April in der Regel die Beste. Doch die Anleger sind mit Blick auf die Entwicklungen in Wirtschaft und Politik skeptisch. Die jüngsten Statistiken vermitteln keinen sonderlich rosigen Ausblick. Die US-Konjunktur kommt nur mühsam voran und etliche Blue-chip-Unternehmen (siehe Lexikon) vermiesen die Laune der Investoren mit Ergebniswarnungen.

So begründete der Mischkonzern Honeywell die Korrektur seines Ergebnisausblicks für das vierte Quartal und das Jahr insgesamt mit dem schleppenden Wirtschaftswachstum und fehlenden Bestellungen der Luft- und Raumfahrtbranche. Schlimmer sieht es beim einstigen Hoffnungsträger Lucent Technologies aus. Der führende Hersteller von Ausrüstungen für die Technologiebranche machte mit einer um 20 bis 25 Prozent niedrigeren Umsatzprognose und einem Quartalsverlust von sich reden.

In dieser Börsenwoche werden unter anderem wichtige US-Konjunkturdaten für August erwartet: Industrieproduktion und Kapazitätsauslastung (Montag), Verbraucherpreisindex (Mittwoch) sowie der Stand der Neubauten im Wohnungsbau (Donnerstag).

Auf Seiten der deutschen Unternehmen werden in der kommenden Woche kaum Neuigkeiten erwartet. Vermutlich werde aber der Sportwagenhersteller Porsche Anfang der Woche gute Geschäftszahlen für das Jahr 2001/02 vorlegen, erwarten Analysten. Das Unternehmen hatte in der Vergangenheit immer wieder gesagt, mindestens das Rekordergebnis des Vorjahres wieder erreichen zu wollen.

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