Wirtschaft : Unter extremen Bedingungen

Bei Ultra-Marathons läuft man durch die Wüste Gobi, den Polarkreis oder um den höchsten Berg Japans. Diese Wettbewerbe kommen vor allem bei Managerinnen aus der Finanzwelt in Mode – als Ausgleich zum Büroalltag.

Langer Lauf. Der Two Oceans Ultra Marathon findet in Südafrika statt. Foto: dpa Foto: picture alliance / dpa
Langer Lauf. Der Two Oceans Ultra Marathon findet in Südafrika statt. Foto: dpaFoto: picture alliance / dpa

Marathon war gestern. „Länger, weiter, extremer" heißt es bei der bei Managern so beliebten Ausdauersportart Laufen: Ultra-Marathons, Rennen über besonders lange Distanzen in extremen Umgebungen - am Südpol etwa oder durch das Wüstental Death Valley im Osten Kaliforniens - kommen in Mode. Überraschend: Immer mehr Frauen aus dem Finanzsektor machen mit.

„Interessanterweise nimmt die Anzahl der Läuferinnen, die sich an Veranstaltungen in Asien beteiligen, schneller zu als in Europa oder Nordamerika“, beobachtet Mary Gadams. Die ehemalige Investmentbankerin organisiert inzwischen selbst Ultra-Marathons in Hongkong.

Gleich drei ihrer ehemaligen Branchen-Kolleginnen aus Hongkongs Finanzwelt haben sich bereits an Extrem-Dauerläufen beteiligt: Emily Woodland, die einzige weibliche Fondsmanagerin bei UBS O'Connor, der Hedgefonds-Sparte der größten Schweizer Bank, ist eine von ihnen. Daneben tritt die Schweizerin Nora Senn in dieser Disziplin an. Sie ist Versicherungsmaklerin bei Lockton Companies. Und auch Natalia Watkins, Managerin bei HSBC Holdings, geht bei solchen Rennen an den Start.

Woodland begründet ihr Faible für den Extrem-Sport mit einem „Lagerkoller nach 13 Arbeitsstunden am Tag, in denen ich in einem klimatisierten Büro auf vier Computerbildschirme starre.“ Die Ultra-Marathons sind für sie ein Ausgleich zum Büroalltag – der für Außenstehende auch manchmal extrem erscheinen mag: Für mich ist es wirklich erholsam, wenn ich da rausgehe und der Welt entfliehe“, erzählt sie. „Laufen hilft mir, einen klaren Kopf zu bekommen.“

Die sportlichen Ergebnisse der drei können sich sehen lassen: Woodland, die am Wochenende gemeinsam mit Watkins trainiert, war vergangenes Jahr die viertschnellste Frau und in der Gesamtplatzierung auf Rang 17 unter allen 163 teilnehmenden Männern und Frauen beim „Gobi-March“, ein Wettrennen im nordwestlichen China. Es führt über eine Strecke von 250 Kilometern in der Wüste Gobi und angrenzenden Gebieten. „Bei einer solch langen Distanz durchlebt man die besten Hochs und die schlimmsten Tiefs der ganzen Welt“, sagte sie der Nachrichten-Agentur Bloomberg.

Die 36-jährige Senn schaffte es vergangenes Jahr beim „Ultra-Trail Mount Fuji“ auf Platz drei unter den Frauen. Mehr als 28 Prozent jener Läufer, die für die 156 Kilometer lange Strecke angetreten waren, kamen gar nicht ans Ziel. Der Lauf führt spiralförmig um den höchsten Berg Japans herum, und ist auf 46 Stunden begrenzt. An diesem Wochenende ist Senn in Japan wieder mit von der Partie. Dafür trainiert die Schweizerin unter der Woche zwei bis drei Stunden pro Tag, am Wochenende sind es fünf bis sechs Stunden täglich. Meist läuft sie in der Mittagspause sowie vor und nach der Arbeit. „Ich gehe einfach raus, und dann entspanne ich mich“, sagt die Versicherungsmaklerin.

Watkins nahm erst im vergangenen Monat am „6633 Extreme Winter Ultra-Marathon“ teil. Die Strecke ist knapp 200 Kilometer lang, die Teilnehmer überqueren den nördlichen Polarkreis. Die Finanzexpertin legte die vereiste Strecke in 67 Stunden zurück, bei nur sechs Stunden Schlaf. Bei Temperaturen von minus 40 Grad Celsius trug sie drei Paar Handschuhe übereinander. „Eine Menge Gedanken gingen mir durch den Kopf. Etwa, dass ich gefunden werden würde, erfroren und halb aufgefressen von einem Wolf“, sagt die Managerin, die bei HSBC die Derivate-Clearing-Dienste der Asien-Pazifik-Region leitet. cob /HB

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben