Wirtschaft : Unternehmen lassen beim Thema Transrapid einen Mangel an Realitätssinn erkennen

Margarita Chiari

Die Transrapid-Hersteller fahren schweres Geschütz auf. Nach dem voraussichtlich endgültigen Nein von Bahnchef Hartmut Mehdorn, als Betreiber für das Milliardenprojekt zur Verfügung zu stehen, drohen die Industriepartner jetzt unverhohlen mit Schadenersatzklagen gegen Bund und Bahn. Es dürfe nicht sein, dass man jahrelang mit erheblichen Finanzmitteln in "Vorleistung" gegangen sei, um kurz vor der Baureife nun doch noch einen Riegel vorgeschoben zu bekommen, lautet ihr Argument. Darf es wirklich nicht so sein?

Einmal mehr lassen die Unternehmen beim Thema Transrapid einen Mangel an Realitätssinn erkennen. Einen formellen Beschluss zum Bau einer Magnetschnellbahnverbindung zwischen Hamburg und Berlin hat es nie gegeben. Das Projekt stand stets unter dem Vorbehalt, dass es sich rechnet. Den Beweis sind bislang alle Beteiligten schuldig geblieben. Statt dessen wurde immer deutlicher, dass weder die veranschlagten Baukosten noch die angepeilten Fahrgastzahlen auch nur annähernd gehalten werden können. Nun von einem Vertragsbruch zu sprechen, entbehrt jeder Grundlage. Mehdorn hat lediglich ausgesprochen, was andere schon wussten. Das als "public-private-partnership" hochgejubelte Magnetbahnprojekt stand von Anfang an auf tönernen Stelzen. Mit der Anwendungsstrecke in Deutschland sollte diese - sicherlich beeindruckende - Technologie eine Exporthilfe erhalten. Das finanzielle Risiko wurde dabei an die Deutsche Bahn weitergereicht. Mehdorn hat diesem Manöver - zu Recht - ein Ende bereitet. Die Bahn ist keine Behörde des Bundes mehr. Der Weg, nach Alternativen für den Transrapid zu suchen, ist nicht versperrt. Sollte es realistische Exportchancen geben, würden sich sicherlich auch andere Finanzpartner finden. Der Ruf nach Schadenersatz klingt aber eher nach Rückzugsgefecht.

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