Untreueverdacht : Razzia bei Bayerns Landesbank

Der ehemalige Vorstandschef der BayernLB, Werner Schmidt, ist ins Visier der Justiz geraten. Die Zentrale der zweitgrößten deutschen Landesbank war deshalb am Mittwoch Schauplatz einer Großrazzia.

Thomas Magenheim

München - Der Vorwurf lautet Untreue im Zusammenhang mit dem Einstieg der Bayern LB bei der österreichischen Hypo Group Alpe Adria (HGAA) im Jahr 2007, wie die Münchner Oberstaatsanwältin Barbara Stockinger sagte. Die Razzia fand neben München auch an den Standorten der HGAA in Österreich und Luxemburg statt. Dem Vernehmen nach wurde auch die Privatwohnung Schmidts durchsucht.

Für die Ermittler gibt es „hinreichende Anhaltspunkte“, dass beim Kauf der HGAA durch die BayernLB bewusst zu viel bezahlt wurde. Die Staatsanwaltschaft will keine Details nennen, um die Ermittlungen nicht zu gefährden. Es gehe um erhebliche Millionenbeträge, sagte ein Insider mit Einblick in die Ermittlungsunterlagen. Schmidt selbst äußerte sich zu den Vorwürfen bisher nicht. Die BayernLB zeigte sich von der Razzia überrascht, sagte den Behörden aber volle Kooperation zu. Alle benötigten Dokumente würden zugänglich gemacht.

Ermittelt werde nur gegen eine Person und das sei der ehemalige Chef der BayernLB, stellte Stockinger klar. Gegen weitere ehemalige oder amtierende Vorstände gebe es keinen Verdacht. Allein in München und Umgebung waren nach ihren Angaben 71 Beamte bei der Razzia im Einsatz, um Material zu beschlagnahmen. Geprüft werde nun, ob der Verdächtige die beanstandeten Summen in die eigene Tasche gesteckt habe.

Die BayernLB hatte 2007 rund 1,6 Milliarden Euro für die Hälfte der HGAA bezahlt. Betrieben hatte das im Nachhinein vielfach kritisierte Geschäft der damalige Bankchef Schmidt, der 2008 nach Milliardenverlusten der Bank seinen Hut nehmen musste. Der konkrete Ausgangspunkt der Ermittlungen gegen den 66-Jährigen ist unklar. Die HGAA ist eine wesentliche Ursache für die jüngsten Probleme der BayernLB, die selbst vor einem Jahr mit einer staatlichen Finanzspritze in Höhe von zehn Milliarden Euro gerettet werden musste und seither zu mehr als 90 Prozent dem Bundesland Bayern gehört.

0 Kommentare

Neuester Kommentar