Urabstimmung : Lokführer wollen unbefristet streiken

Bahnreisende müssen sich in Kürze auf Verspätungen und Zugausfälle einstellen. Die Mitglieder der Lokführergewerkschaft wollen die Arbeit notfalls unbefristet niederlegen, um ihre Ziele durchzusetzen.

Die Arbeitsniederlegungen könnten nun massiv ausgeweitet werden.
Die Arbeitsniederlegungen könnten nun massiv ausgeweitet werden.Foto: dpa

Bahnreisenden droht ein unbefristeter Streik. In einer Urabstimmung der Lokführer-Gewerkschaft GDL stimmten mehr als 90 Prozent der Mitglieder für einen Arbeitskampf, wie die Gewerkschaft am Montag in Frankfurt am Main mitteilte.

"In der Folge werden wir noch in dieser Woche die Arbeitskampfmaßnahmen ausdehnen, sofern wir keine Angebote von den Arbeitgebern erhalten", sagte GDL-Chef Claus Weselsky bereits vor der Auszählung der Urabstimmung. Dabei solle vor allem der Güterverkehr getroffen werden. "Wir werden aber auch nicht darauf verzichten können, den Personenverkehr weiterhin ein Stück weit zu bestreiken."

Insgesamt stimmten über 92 Prozent der GDL-Mitglieder bei der Deutschen Bahn und 96 Prozent der GDL-Mitglieder bei den Konkurrenten für einen Arbeitskampf.

Auf Kritik stößt die GDL indes bei der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG). Es gehe den Lokführern nicht um den Tarifkonflikt, sagte der EVG-Vorsitzende Alexander Kirchner am Montag im rbb-Inforadio. Ihr Ziel sei es stattdessen, mehr Mitglieder als die Schwestergewerkschaft zu bekommen. Kirchner sehe die Gefahr einer Entsolidarisierung der Gesellschaft, wenn jede Berufsgruppe für sich "vom Kuchen immer ein größeres Stück abschneidet als die anderen".

"Im Bereich Bahn gibt es jede Menge Beschäftigtengruppen, die mindestens oder sogar noch ein höheres Druckpotenzial erzeugen können als die GDL", sagte Kirchner. Er kritisierte auch mögliche längere Streiks: "Wenn es aber darum geht, dass in Zukunft nur noch Ergebnisse erzielt werden, wenn man möglichst lange und häufig streikt, dann kriegen wir eine andere Republik, eine andere Gesellschaft."

Die EVG hatte im Januar in einem Schlichtungsverfahren erstmals einen Branchentarifvertrag für den regionalen Schienenverkehr in Deutschland erwirkt. Für rund 31.000 Beschäftigte der Bahn-Regionaltochter DB Regio und sechs großer Konkurrenten gilt seitdem in den einzelnen Entgeltgruppen das gleiche Einkommen.

Die GDL will einheitliche Tarifbedingungen für rund 26.000 Lokführer auf dem Niveau der Deutschen Bahn (DB) und hatte ihre Forderung in den vergangenen zwei Wochen mit drei Warnstreiks unterstrichen. Betroffen waren sowohl die DB als auch deren Konkurrenten, die Lokführer zu schlechteren Konditionen beschäftigen. Die Verhandlungen sind festgefahren, sechs Anbieter wollen auch nicht mehr gemeinsam mit der GDL sprechen. (dpa)

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