Wirtschaft : Urlaub maßgeschneidert

Die Touristikkonzerne stellen sich um: Sie setzen auf Reisen aus dem Baukasten und den Direktvertrieb

Flora Wisdorff

Ganz normal ins Reisebüro gehen, sich beraten lassen, und eine durchorgansisierte Pauschalreise zu buchen, wird auch in Zukunft möglich sein. Aber die Reisekonzerne stellen sich immer mehr um. Auf der Internationalen Tourismus-Börse (ITB) kündigten sie zwei Trends an: die maßgeschneiderte, individuelle Reise. Und den Verkauf über den Direktvertrieb – Internet, Fernsehen oder per Telefon.

Der Grund: Die Kunden wollen billiger reisen. Also möchten sie die Reisebüro-Provisionen sparen. Auch wenn man ungewollte Leistungen wie Essen oder Transfers einfach weg lassen kann, wird´s günstiger.

„In vier Jahren sollen 40 Prozent des Umsatzes mit Spezial- und Baukastenangeboten erzielt werden“, kündigte Stefan Pichler, Konzernchef von Thomas Cook, an. Er erwartet, dass die Bausteinreisen in den nächsten fünf Jahren im Schnitt um acht Prozent wachsen – die Pauschalreise soll dagegen nur um vier Prozent zulegen. Sein Konkurrent Michael Frenzel, Chef der Tui, will seine Billigtochter 1-2-Fly zum Anbieter von Reisebausteinen umbauen und möglicherweise auch Last-Minute Reisen über ihr Portal verkaufen.

Während bei den Großen die Pläne noch nicht in die Realität umgesetzt sind, haben die Last-Minute-Anbieter, die bereits viel stärker im Internet präsent sind, schon Konkretes vorzuweisen. Bei „Flyloco“ von Ltur kann man sich via Internet persönlich eines von 25 Zielen aussuchen, die von den Billigfliegern Hapag Lloyd-Express, Germanwings oder Air Berlin angeflogen werden, und dies mit einem von 1000 angebotenen Hotels selbst kombinieren. Außerdem plant Ltur, zur Sommer-Hauptsaison einen interaktiven Holiday-Planer auf seine Webseite zu stellen, mit dem man sich den Last-Minute-Urlaub maßschneidern kann. Das Online-Reisebüro Expedia ist am weitesten: es hat bereits eine Software, die das maßgeschneiderte Buchen erlaubt. Die Preise sind „dynamisch“, das heißt, sie passen sich sofort an, wenn man zum Flug ein Hotel oder einen Mietwagen hinzubucht.

Den Direktvertrieb wollen ebenfalls alle verstärkt in ihr Sortiment aufnehmen: Tui-Chef Frenzel schließt nicht aus, Reisen seiner Tochter „Berge und Meer“ über den Discounter Aldi zu verkaufen. Und Ltur will den Direktvertrieb über Internet und Call-Center massiv ausbauen. Auch der Verkauf via Fernsehen sei im Gespräch. Das Internet-Reisebüro Lastminute.com hat am Samstag gar einen eigenen Reisesender gestartet.

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