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Urteil gegen Ex-Flowtex-Chef : „Big Manni“ muss wieder ins Gefängnis

Wieder stand Manfred Schmider, Ex-Flowtex-Chef, vor Gericht. Nach seinem Milliardenbetrug in Deutschland ist er in der Schweiz verurteilt worden.

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Manfred Schmider vor der Verurteilung am Donnerstag
Manfred Schmider vor der Verurteilung am DonnerstagFoto: dpa

Wieder geht es um Geldwäsche und Betrug. Um illegale Machenschaften. Das Bezirksgericht Frauenfeld in der Schweiz hat Manfred Schmider, einst Chef der Firma Flowtex, am Donnerstag schuldig gesprochen. Das Urteil: Eine Freiheitsstrafe von 14 Monaten. Mehr als zehn Jahre ist es her, dass er das erste Mal verurteilt worden war. Damals ging es um den schwersten Fall von Wirtschaftskriminalität in der deutschen Geschichte

Schmider, und noch mehr seine Ex- Frau, sollen dieses Mal ergaunerte Gewinne aus den Flowtex-Betrügereien in der Schweiz gewaschen und versteckt haben: Darunter Verkaufserlöse für eine Villa, ein 51-Karat-Diamant und vier Gemälde von Chagall. Schmiders Ex-Frau muss für drei Jahre ins Gefängnis, davon zwei Jahre auf Bewährung. Ihr Anwalt kommt für zwei Jahre in Haft, die beiden erwachsenen Kinder wurden freigesprochen. Der Prozess begann im vergangenen Oktober. Das Urteil ist nach Angaben der Staatsanwaltschaft noch nicht rechtskräftig. Bei Schmider, 66, könnten sieben Monate auf Bewährung ausgesetzt werden.

Verkaufte Bohrer, die nie existierten

Es war ein juristisches Nachspiel von dem Prozess in Mannheim, bei dem "Big Manni" 2002 zu elf Jahren Haft verurteilt wurde. Schmider hatte 1994 in Ettlingen bei Karlsruhe die Firma Flowtex gegründet. Bis 1999 hatte das Unternehmen mehr als 3000 Spezialbohrgeräte verkauft, die unterirdische Leitungen graben konnten, ohne die Teerdecke einer Straße aufzureißen. Die Methode war schnell, sparte Kosten, Straßensperrungen waren nicht notwendig. Doch nur 270 Bohrmaschinen gab es wirklich. Die meisten existierten lediglich auf dem Papier. Banken und Leasinggesellschaften wurden systematisch betrogen. Der Schaden betrug 2,6 Milliarden Euro.

Das genaue Verfahren: Eine zweite Firma Schmiders, die KSK, verkaufte die Maschinen an Banken oder Leasinggesellschaften, Flowtex leaste sie wiederum zurück (Sale-Lease-Back-Geschäfte). Für die Kontrollen wurden die Seriennummern ständig geändert, Typenschilder wurden ummontiert.

Diese Art des Kreditbetrugs ähnelt einem Schneeballsystem, weil die Zahlung der Raten an die Leasinggesellschaften immer neue „Verkäufe" nicht-existierender Maschinen erforderte. Über Jahre funktionierte die Methode - auch weil Schmider beste Kontakte zur Politik, zu Behörden und Wirtschaftsprüfern hatte. Der Schwindel flog erst auf, als das Bundesaufsichtsamt für Finanzen bemerkte, dass Flowtex Bohrer bei einer Firma gekauft haben wollte, die schon lange in Konkurs war.

Mit den Scheinverkäufen leistete sich Schmider schnelle Autos und Villen in Florida, St. Moritz, Uruguay und auf Ibiza. Fast jeden Morgen flog er mit dem Hubschrauber von seinem Millionen-Anwesen in Karlsruhe-Durlach zur Firmenzentrale nach Ettlingen. Nicht einmal zehn Kilometer von seinem Zuhause entfernt. Heute, sagt Schmider, seien er und seine Ex–Frau mittellos.

Zwei Politiker traten 2004 zurück

Schmider wurde 2002 zu elfeinhalb Jahren Haft verurteilt. Auch Manager, Familienangehörige, Anwälte und Mitwisser erhielten Haftstrafen. Während der Ermittlungen wurden 55 Häuser durchsucht, es gab 110 Beschuldigte. Der Wirtschaftsminister und die Justizministerin von Baden-Württemberg traten 2004 wegen der Affäre zurück.

2007 kam Schmider frei und zog nach Mallorca. Wo er genau lebt, ist nicht bekannt. Die Schweizer Behörden wurden jedoch auf ihn aufmerksam, machten Jagd auf Millionen, die zum Teil bis heute nicht gefunden worden sind, und wurden bei mehreren Schweizer Banken fündig. Außerdem hatte ein Finanzinstitut der Schweizer Meldestelle für Geldwäsche von verdächtigen Transaktionen berichtet. Und so ging es wieder einmal um den Namen Schmider, um Veruntreuung, Geldwäscherei, Urkundenfälschung und Steuerbetrug.

Ein Fall von Größenwahn

Besonderes Aufsehen erregte damals übrigens eine gerichtliche Anordnung, die Schuldfähigkeit von Schmider zu überprüfen. Im Auftrag der Staatsanwaltschaft Mannheim sagte ein Psychiater, er leide unter dem „Harry-Potter-Phänomen der halluzinatorischen Wunscherfüllung“. Anders ausgedrückt: Unter Größenwahn.