Wirtschaft : US-Konjunktur: Positives Signal aus Washington

Alfons Frese

Alan Greenspan gibt Entwarnung. Nach fünf großen Schritten seit Beginn des Jahres hat die amerikanische Notenbank nun das Tempo gedrosselt und beim sechsten Mal den Leitzins nur um 0,25 Prozentpunkte gesenkt. Das ist ein klares Signal an die Finanzmärkte und Konjunkturskeptiker in aller Welt: Die US-Wirtschaft dürfte ihren Boden bald gefunden haben. Dafür gibt es Anhaltspunkte. Das so genannte Verbrauchervertrauen ist in den USA zuletzt unerwartet stark gestiegen. Und dass die Konsumfreude - womöglich auch auf Grund der Steuersenkung durch George W. Bush - durchschlägt, zeigen die kräftig anziehenden Aufträge für langlebige Verbrauchsgüter. Die Amerikaner kaufen wieder mehr Autos und Kühlschränke. Für die US-Wirtschaft ist das ganz wichtig, denn rund zwei Drittel des Bruttoinlandsprodukts hängen vom Konsum ab. Und weil das so ist, hat Greenspan offenbar die negativen Faktoren etwas geringer geschätzt: Die Industrie hängt nämlich nach wie vor durch, und die in den kommenden Wochen anstehenden Unternehmenszahlen für das zweite Quartal werden entsprechend schlecht ausfallen und wie zuletzt Schockwellen an den Aktienbörsen auslösen. Doch dann geht es bald aufwärts - wenn Greenspans Kalkül aufgeht. Erfahrungsgemäß wirken sich Zinssenkungen erst nach frühestens sechs Monaten auf die Realwirtschaft aus. Wenn das diesmal auch so ist, dann könnten die USA zum Jahresende ihre Rolle als Lokomotive der Weltwirtschaft wieder spielen. Vielleicht flankiert von einem stärkeren Europa. Die Chancen auf eine Zinssenkung der Europäischen Zentralbank sind nach der jüngsten Vorgabe aus Washington jedenfalls gestiegen. Und damit bessern sich die Aussichten für die deutsche Konjunktur und den deutschen Bundeskanzler, doch noch mit einem kräftigen Wachstum in die Wahl 2002 zu gehen.

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