Wirtschaft : US-Konjunktur und Weltwirtschaft: Asien hat seine Krise noch immer nicht überwunden

finn Mayer-Kuckuck

Die Hauptsorge der Asem-Finanzminister bei ihrem Treffen in Japan, die Abkühlung der US-Konjunktur, betrifft besonders die Länder Südostasiens. Deren Wachstum hängt größtenteils nicht an der Binnennachfrage, sondern am Export über den Pazifik. Die Partner der EU im Asia-Europe Meeting (Asem) sind China, Japan, Südkorea sowie Singapur, Malaysia, Thailand, Indonesien, Vietnam, die Philippinen und Brunei. China und Singapur befinden sich robust im Aufschwung. Den übrigen Asem-Partnern werfen die Europäer vor, überfällige Reformen nicht anzupacken. Hauptpunkt: Im Finanzsektor vieler Länder lähmen so genannte faule Kredite die Banken. Durch Korruption erhielten Unternehmen jahrelang Darlehen, die sie nie zurückzahlten. In der Krise zwischen 1997 und 1998 standen die Banken dann ohne Substanz da. Weitere Kredite wurden faul, weil Firmen zahlungsunfähig wurden. Zahlreiche Finanzhäuser waren ruiniert; teilweise sprang der Staat ein und versuchte, die Banken mit Steuermitteln zu rekapitalisieren.

Japan: Das Gastgeberland des Treffens steckt bereits seit zehn Jahren in der Krise. Alle Versuche, die Konjunktur anzukurbeln, schlugen fehl, kosteten aber so viel Geld, dass der Staat inzwischen mit 130 Prozent des Bruttoinlandsprodukts verschuldet ist. Der laufenden Regierungsreform traut niemand zu, wieder frischen Wind in die Wirtschaftspolitik zu bringen. Die Probleme der Banken mit faulen Krediten verschärfen sich in diesen Tagen, da die Banken einen Teil ihres Kapitals in Aktien und Grunstücken halten - und deren Wert sinkt. Die Verflechtungen von Politik, Banken und Großunternehmen sind bisher allenfalls gelockert.

Thailand: In dem Land, von dem die Krise 1997 mit der Abwertung der Landeswährung Baht ausging, erlahmte der Reformeifer nach einer erstaunlich raschen Erholung wieder. Beispiele: Thailand hat 1999 rasch 56 unterfinanzierte Banken geschlossen und ist laut Internationalem Währungsfonds (IWF) "mit einem gestärkten und weitgehend privatem Bankensystem" aus der Krise hervorgegangen. Doch weitere Reformen erschienen überflüssig, heute ist laut IWF noch immer ein Drittel des Kreditvolumens in Thailand faul. Insgesamt ist der Finanzsektor heute sicherer. Die Landeswährung ist für Spekulanten heute nicht mehr so angreifbar wie früher, als die Notenbank Wechselkurse garantierte, die volkswirtschaftlich nicht gerechfertigt waren. Die Finanzierung der Banken ist solider geworden: Sie nehmen nicht mehr so viele kurzfristige internationale Kredite auf, die sie dann im Notfall nicht zurückzahlen könnten.

Thailands Wachstum lag im Jahr 2000 bei etwa sieben Prozent. Nach Informationen der Bundesstelle für Außenhandlsinformationen (bfai) ist dabei die Nachfrage der Verbraucher nicht ausschlaggebend: "Bei der deutlichen Schwächung der Binnennachfrage sind es vor allem die Ausfuhren, die für eine Belebung sorgen.". Da der Baht leicht unterbewertet ist, boomte der Export in die USA. Merril Lynch Bangkok erwartet 2001 für Thailand dementsprechend einen Wachstumsrückgang auf 4,2 Prozent.

Malaysia und Indonesien: Das Bild in Malaysia stellt sich inzwischen wieder ähnlich dar wie in Thailand. Malaysia hatte anders als Thailand seine Kapitalmärkte in der Krise abgeschottet. Diese Maßnahmen sind heute teilweise aufgehoben. Das Wachstum von über sieben Prozent ist vor allem dem Export von Elektronik zu verdanken. "Entsprechend kritisch sehen daher die Konjunkturbeobachter eine Eintrübung der internationalen Nachfrage nach diesen Produkten", heißt es bei der bfai. In Indonesien herrscht zwar zur Zeit ein Konsumboom; die Ölexporte bringen dank des hohen Rohölpreises viel Geld ins Land. Anoop Singh, Asienexperte des IWF, beklagt aber das geringe Tempo bei der Neuordnung von Wirtschaft und Politik. "Die Staatsschulden sind mit die höchsten in der Region. Der Hauptgrund sind die Aufwendungen zur Rekapitalisierung der Banken." Auch hier gilt, dass die Erholung nicht von einer durch konsequente Reformen gesundeten Wirtschaft, sondern vom starken Dollar ausging.

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