US-Notenbank : Anzeichen für Zinserhöhung belasten Wall Street

Es wird immer wahrscheinlicher, dass die US-Notenbank die Zinsen Mitte Dezember anhebt. Aktien würden dadurch unattraktiver werden.

Die Wall Street sieht der wohl bald kommenden Zinserhöhung skeptisch entgegen.
Die Wall Street sieht der wohl bald kommenden Zinserhöhung skeptisch entgegen.Foto: AFP

Zunehmende Anzeichen für eine nahende Zinswende in den USA haben die Wall Street am Donnerstag erneut belastet. Sowohl Aussagen von US-Notenbankpräsidentin Janet Yellen als auch neue Konjunkturdaten deuteten darauf hin, dass die Währungshüter Mitte Dezember die Zinsen anheben dürften. Damit würden Aktien gegenüber festverzinslichen Anlagen unattraktiver werden. Außerdem hatte die Europäische Zentralbank (EZB) die Anleger mit ihren geldpolitischen Lockerungsmaßnahmen enttäuscht und Europas Aktienmärkte auf Talfahrt geschickt.

Der Dow Jones Industrial konnte seine Verluste nur temporär eindämmen. Zum Handelsende hielt sich der US-Leitindex mit einem Minus von 1,42 Prozent auf 17 477,67 Punkte nur wenig über seinem Tagestief. Schon am Vortag hatte der New Yorker Leitindex deutlich darunter gelitten, dass die US-Notenbank (Fed) Mitte Dezember erstmals seit der Finanzkrise an der Zinsschraube drehen dürfte.

Positive Signale vom Arbeitsmarkt

Der marktbreite S&P-500-Index verlor 1,44 Prozent auf 2049,62 Punkte. Der technologielastige Auswahlindex Nasdaq 100 sackte um 1,70 Prozent auf 4606,76 Punkte ab, blieb aber - anders als die beiden Standardwerte-Indizes - auf Jahressicht immerhin im Plus. Der am Freitag anstehende monatliche Arbeitsmarktbericht gilt als besonders wichtiger Faktor für die Fed-Geldpolitik.

Hier mehrten sich die positiven Signale: Nachdem am Mittwoch der Dienstleister ADP einen überraschend starken Beschäftigungsaufbau in der Privatwirtschaft berichtet hatte, fiel nun auch der Anstieg der wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe moderat aus.

Zudem waren die Aufträge für die US-Industrie im Oktober stärker als erwartet gestiegen, während sich die Entwicklung im September weniger verschlechtert hatte als zunächst ermittelt. Die Stimmung im US-Dienstleistungssektor hatte sich im November zwar überraschend deutlich eingetrübt. Dies stelle aber eine Erhöhung des US-Leitzinses in der übernächsten Woche nicht in Frage, schrieb Helaba-Volkswirt Ulrich Wortberg.

General Motors von Opel-Bericht unbeeindruckt

Unter den Einzelwerten hielten sich die Aktien von Medtronic mit plus 0,74 Prozent vergleichsweise gut. Der Medizintechnikhersteller sorgte mit seinen Quartalszahlen für eine positive Überraschung. Auch der Ausblick sei etwas optimistischer als gedacht, hieß es aus dem Markt. Bei General Motors (GM) zeigten sich die Anleger wenig beeindruckt von einem Bericht, wonach die deutsche Tochter Opel in einer eigenen Prüfung deutlich überhöhte CO2-Werte bei einem Fahrzeug festgestellt habe. Wie der WDR mitteilte, liegt der Redaktion ein Protokoll von drei Messungen vor, wonach Verbrauch und CO2-Emissionen bei einem Opel Zafira Diesel im Durchschnitt um 15 Prozent über den offiziellen Angaben des Herstellers liegen.

Opel wies den Bericht des ARD-Fernsehmagazins „Monitor“ zurück. Die GM-Aktien verloren mit 0,73 Prozent deutlich weniger als der Markt. Für die Papiere von Konkurrent Fiat Chrysler ging es um moderate 0,29 Prozent bergab. Die Aktionäre gaben grünes Licht für die Abspaltung des Luxus-Sportwagenbauers Ferrari. Zehn Prozent seines Ferrari-Anteils hatte der Konzern im Oktober bereits in New York an die Börse gebracht und damit rund eine Milliarde Dollar erlöst. Der Eurokurs schoss dank der nur vorsichtigen geldpolitischen Lockerung der EZB auf 1,0953 US-Dollar hoch. Richtungweisende zehnjährige US-Staatsanleihen sackten hingegen angesichts der nahenden Zinswende in den USA um 1 7/32 Punkte auf 99 12/32 Punkte ab, was die Rendite auf 2,32 Prozent nach oben trieb.

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