Wirtschaft : Uvex lässt Helme wieder in Bayern produzieren

Sportfirma investiert in Standort Deutschland

Annette Kögel

Lederdorn – Üblicherweise zieht es deutsche Unternehmen mit ihrer Produktion ins Ausland –, um Kosten zu sparen. Das geht zulasten des einheimischen Arbeitsmarktes. Es gibt aber auch Firmen, die den entgegengesetzten Weg gehen. Die Uvex-Gruppe, Weltmarktführer bei Wintersport-Sicherheitszubehör sowie bei Arbeitsschutzprodukten, hat jetzt ihre Produktion von Motorradhelmen aus Italien wieder zurück nach Deutschland geholt. „Wir legen extrem viel Wert auf einen hohen Produktionsstandard. Und die hohen Anforderungen konnten unsere Zulieferer und Produzenten in Norditalien teils nicht mehr erfüllen“, sagt Günther Kocher, Vertriebsleiter Sport für Deutschland bei der Uvex-Gruppe.

Das Familienunternehmen in dritter Generation nutzt die Verlagerung der Produktion auch dazu, sich auf die Folgen der Erderwärmung einzustellen: So setzt man am Standort Lederdorn im Bayerischen Wald jetzt nicht mehr allein auf die Herstellung von Wintersportartikeln wie Skibrillen und Skihelmen, sondern stärkt auch die „Sommer- sparten“ Motorrad- und Radsport. Der Umsatz der Wintersportbranche sei im vergangenen viel zu warmen Winter teils um mehr als die Hälfte eingebrochen, sagt Kocher.

Bei der Eröffnung der neuen 3200 Quadratmeter großen Werkshalle in Lederdorn nahe der tschechischen Grenze gratulierten kürzlich auch Spitzensportler aus dem Weltcup-Skizirkus, sowie der designierte bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein. Beckstein sagte, Uvex sei mit seinem Engagement für den Standort Deutschland vorbildlich. Fünf Millionen Euro hat Uvex in die Halle investiert. Zur Gruppe gehören 33 Tochterfirmen und Beteiligungen in 22 Ländern – darunter die Marken Alpina, Filtral und Uvex Safety. 20 Arbeitsplätze wurden neu geschaffen, insgesamt soll die Zahl der Beschäftigten in Lederdorn von 150 auf 200 steigen. Weltweit sind 2000 Mitarbeiter für die Uvex-Gruppe tätig.

Nach Angaben von Günther Kocher wurde unter anderem eine hochwertige Lackieranlage installiert. Hergestellt werden nun neben Skihelmen mit Handyanschluss oder integriertem Scheibenwischer auch hochpreisige Motorradhelme sowie Sportsonnenbrillen. Durch die Investitionen in Bayern wolle Uvex auch Befürchtungen zerstreuen, dass es seine Produktion langfristig nach Tschechien verlege. Dort lässt Uvex für die Helm-Innenausstattung „Kopfbänder nähen und Schaumstoff verkleben“, sagt Kocher. Gerade wurde dort eine Million investiert, in dem Werk arbeiteten aber auch Pendler aus Deutschland, betont Kocher.

Bei der Uvex-Winter-Holding mit Hauptsitz in Fürth ist der Gesamtumsatz – gegen den Trend der Branche – im vierten Jahr in Folge gestiegen: von 261,7 Millionen auf 275,7 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2005/06. Allein das Volumen der Skihelmproduktion wuchs um mehr als 400 Prozent. Die Entscheidung, in Hightechprodukte „made in Germany“ zu investieren, hat die mittelständische Firma unter Führung von Inhaber Rainer Winter nicht zum ersten Mal getroffen: Vor fünf Jahren wurde die Fertigung von Radhelmen aus Italien zurück nach Deutschland geholt.

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