Wirtschaft : Vattenfall fehlt die letzte Verbindung

Konzernweiter Tarifvertrag verzögert sich bis April

Anselm Waldermann

Berlin - Mehr als drei Jahre gibt es jetzt den Stromkonzern Vattenfall Europe, aber so ganz ist das durch Fusionen entstandene Unternehmen noch nicht zusammengewachsen. Im Januar sollen nun sämtliche Tochtergesellschaften, auch die Berliner Bewag, den Namen der Mutter übernehmen. Aber den letzten Schritt auf dem Weg der Integration hat Vattenfall noch vor sich. Denn bisher erhalten die Mitarbeiter in Hamburg andere Gehälter als in Berlin, und hier wiederum andere als in Cottbus. Durch einen konzernweiten Tarifvertrag sollte sich das zum Januar ändern. Doch die Gespräche darüber ziehen sich hin: Nach Informationen des Tagesspiegels wird der Vertrag wohl erst im April in Kraft treten können.

Vattenfall Europe mit Hauptsitz in Berlin ist der größte private Arbeitgeber in Ostdeutschland und der drittgrößte deutsche Energieversorger. Das Unternehmen, das zum staatlichen schwedischen Energiekonzern Vattenfall AB gehört, ist im Sommer 2002 aus der Fusion der ostdeutschen Energieunternehmen Veag und Laubag mit der Hamburger HEW hervorgegangen. Später wurde auch die Berliner Bewag in den Konzern eingegliedert. Für die insgesamt 20 000 Beschäftigten gelten heute noch ihre jeweils alten Arbeitsbedingungen: in den neuen Bundesländern nach Ost- und in den alten Ländern nach Westtarif.

Kompliziert sind die Verhandlungen über einen einheitlichen Tarifvertrag unter anderem deshalb, weil auf Arbeitnehmerseite neben den Betriebsräten gleich drei Gewerkschaften mit am Tisch sitzen: aus Hamburg die IG Metall, aus Berlin Verdi und aus Ostdeutschland die IG Bergbau, Chemie und Energie (IG BCE). „Auf der Arbeitsebene verstehen wir uns ganz gut“, sagt Hartwig Willert, Verdi-Funktionär und stellvertretender Aufsichtsratschef bei der Bewag, zweideutig. Auch auf der Arbeitgeberseite gibt es Abstimmungsbedarf: Zum 1. Januar geht der bisherige Personalvorstand Martin Martiny in Ruhestand. Sein Nachfolger Alfred Geißler arbeitet sich zurzeit ein.

Auf erste Ergebnisse haben sich beide Seiten trotzdem schon verständigt. So soll künftig für den Gesamtkonzern die 37-Stunden-Woche gelten. Für die alten Bewagianer bedeutet das keine Veränderung gegenüber heute, die Mitarbeiter der HEW hingegen müssen zwei Stunden länger arbeiten als bisher. Für die Beschäftigten in Ostdeutschland wiederum wird sich die Arbeitszeit theoretisch verkürzen. „Faktisch arbeiten sie aber schon heute 37 Stunden“, erklärt Willert. „Tatsächlich ändert sich für sie also nichts.“

Strittig ist noch, wie die unterschiedlichen Gehälter in Ost und West angeglichen werden. Klar scheint, dass die neue Gehaltstabelle sowohl für die heutigen als auch für künftige Mitarbeiter gelten soll. „Davon gehe ich aus“, sagt Verdi-Funktionär Willert. Trotzdem werde niemand weniger in der Tasche haben als bisher. Vielmehr soll die Angleichung ausschließlich über die langfristige Dynamik erfolgen. „Bei künftigen Zuwächsen müssen sich einige auf eine langsamere Gangart einstellen“, sagt Willert. Insgesamt werde sich das Niveau der Gehälter an den übrigen großen Energieunternehmen in Deutschland orientieren – „das heißt also Westdeutschland“, sagt der Gewerkschafter. Die drei anderen führenden Energiekonzerne – Eon, RWE und EnBW – haben ihren Sitz in den alten Ländern. Vattenfall selbst wollte sich zum Stand der Tarifverhandlungen nicht äußern.

Nun, zum Jahresanfang, sollen die Gespräche fortgesetzt werden – dann unter der Leitung des neuen Personalvorstands Geißler. Vielleicht gestalten sich die Verhandlungen dadurch sogar leichter: Geißler war früher selbst leitender IG-BCE- Funktionär.

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