Vattenfall : In Schweden hui, in Deutschland pfui?

Die Planung von Kohlekraftwerken in Deutschland trägt dem Energiekonzern Vattenfall auch Kritik in seiner schwedischen Heimat ein. Am Dienstag richteten die schwedischen Grünen im Parlament in Stockholm scharfe Kritik an die bürgerliche Regierung, weil sie das staatliche Unternehmen nicht von seinen umweltschädlichen Plänen abbringe.

André Anwar

Stockholm - Die Regierung müsse ihre Position als Eigentümer stärker nutzen und Vattenfall dazu zwingen, den CO2-Ausstoß der deutschen Kohlekraftwerke erheblich zu senken, sagte Grünen-Sprecher Per Bolund und verwies auf die Hauptversammlung am nächsten Dienstag. „Die Regierung hat nun die einmalige Chance, dieses staatliche Unternehmen zu lenken, so dass Schweden sich nicht dafür schämen muss, dass Vattenfall so große Investitionen in Kohlekraft plant“, sagte Bolund. „Es ist nutzlos, dass unser Ministerpräsident Fredrik Reinfeldt nach China fliegt und dort die Kohlekraftwerke kritisiert, während er eigentlich selbst die Macht hat, große Teile der Kohlekraft in Deutschland und Polen mit erneuerbaren Energien zu ersetzen“, sagte Bolund. Er kündigte eine zweitägige Reise nach Deutschland an, um unter anderem ein Vattenfall-Kohlekraftwerk in Cottbus zu besuchen. Die deutsche Tochter Vattenfall Europe mit Sitz in Berlin baut derzeit ein Kohlekraftwerk in Hamburg-Moorburg und plant ein weiteres in Berlin- Lichtenberg – beide Projekte stoßen auf erheblichen politischen Widerstand.

In Schweden gibt sich der Konzern betont umweltfreundlich. Dort gewinnt Vattenfall den Großteil seiner Energie aus Atomkraftwerken und Wasserkraft. Obwohl Vattenfall wegen Sicherheitsmängeln in seinen Atomkraftwerken vor zwei Jahren in die Kritik geriet, genießt das Unternehmen einen guten Ruf im Land. Vielen Schweden ist die Kritik, die Vattenfall in Deutschland entgegenschlägt, völlig unbekannt. Über die Krise der deutschen Tochter wegen der Pannen in Atomkraftwerken im vergangenen Sommer berichteten die schwedischen Zeitungen so gut wie gar nicht.

Deutschland ist der mit Abstand wichtigster Umsatzträger der Schweden. Die Gewinne aus den deutschen Kohlekraftwerken kommen letztlich dem schwedischen Staat als Haupteigentümer zugute. Schwedische und deutsche Umweltschutzverbände haben das wiederholt kritisiert. Der schwedische Staat finanziere mit den Einnahmen aus den deutschen Kohlekraftwerken den Umweltschutz in Schweden. Dazu zählten Fördergelder für erneuerbare Energien und Prämien für den Kauf von Ethanolautos, heißt es bei diesen Kritikern. André Anwar

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