Wirtschaft : Vattenfall will Milliarden investieren

Genehmigte Standorte für zwei neue Kraftwerke an der Küste und in Sachsen / Aktionäre kritisieren mangelhafte Informationen

Dieter Fockenbrock

Berlin - Der drittgrößte deutsche Stromkonzern, die Vattenfall Europe AG, will zwei neue Kraftwerke bauen. Das kündigte Vorstandschef Klaus Rauscher am Donnerstag auf der Hauptversammlung in Berlin an. Das gesamte Investitionsvolumen dürfte nach Branchenschätzungen bei etwa zwei Milliarden Euro liegen. Die Stromversorger geben offensichtlich ihre jahrelange Zurückhaltung bei den Investitionen auf. Denn auch RWE hatte erst vor wenigen Wochen bekannt gegeben, ein Braunkohlekraftwerk mit 1000 Megawatt Leistung im Rheinland zu bauen.

Vattenfall-Europe-Chef Rauscher sagte vor den Aktionären, geprüft werde der Bau einer Braunkohleanlage in Sachsen und eines Kohlekraftwerks in Hamburg. Die Standorte seien bereits genehmigt und „wir haben die finanziellen Mittel“. Rauscher schränkte aber ein, dass „die politischen Rahmenbedingungen stimmen“ müssten. Rauscher machte deutlich, dass eine positive Investitionsentscheidung von der weiteren Gestaltung des ab 2005 vorgeschriebenen Handels mit CO2-Emissionsrechten abhängig sei. Die Betreiber von Braunkohle- und Steinkohlekraftwerken müssen mit besonders hohen Belastungen rechnen.

Bis vor wenigen Wochen stellten alle Stromkonzerne den Bau neuer Kraftwerke in Frage, obwohl der Neubaubedarf auf bis zu 40 000 Megawatt geschätzt wird. Das wäre rund ein Drittel der gesamten Kraftwerksleistung. Wegen des Atomkompromisses müssen bis 2021 alle Kernkraftwerke ersetzt werden, außerdem zahlreiche veraltete Kohlekraftwerke. Allein die Atommeiler produzieren knapp 30 Prozent des deutschen Stroms. Aus Furcht vor zu starken Belastungen durch den geplanten Handel mit Emissionszertifikaten hatten die Unternehmen zunächst ihre Investitionsplanungen zurückgestellt. Zwischen dem verantwortlichen Umweltminister Jürgen Trittin (Grüne) und Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) war es daraufhin zu einem heftigen Streit um die Gestaltung des Emissionsplans gekommen.

Der jetzt gefundene Kompromiss ist offenbar zur Zufriedenheit von RWE und Vattenfall. Berücksichtigt werden auch frühere Investitionen zur CO2-Minderung. Vattenfall Europe, die aus der Fusion von Bewag, HEW, Veag und Laubag hervorgegangen ist, investierte bereits Milliarden in die Modernisierung des Kraftwerksparks. Rauscher: „Der Kompromiss ist kein Grund zu reiner Freude, aber wir können gerade noch damit leben.“ Abgelehnt wird er dagegen vom viertgrößten Stromerzeuger Energie Baden Württemberg (EnBW). Das Karlsruher Unternehmen hat angekündigt, gegen den nationalen Emissionshandelsplan Beschwerde in Brüssel und Verfassungsklage in Deutschland einzureichen.

Vattenfall Europe will zudem 300 Millionen Euro in den Bau neuer Hochspannungsleitungen investieren. Damit sollen Leitungsengpässe wegen der zunehmenden Produktion von Windenergie vermieden werden. Rauscher kritisierte, dass die gerade verabschiedete Novelle des Erneuerbare Energien Gesetzes (EEG) „zu weniger Versorgungssicherheit bei höheren Kosten“ führen werde. „Die Politik hat eine Gefahrenlage verschärft, die einen Krisenfall bis hin zum großflächigen Blackout wahrscheinlicher werden lässt.“ Wer den Ausbau der Windenergie forciere, der müsse auch die Voraussetzungen für den erforderlichen Netzausbau schaffen. Die Stromversorger beklagen, dass sie den Windstrom zwar transportieren, den Leitungsausbau aber selbst bezahlen müssen und dabei zudem durch schleppende Genehmigungsverfahren behindert werden.

Von den Aktionären musste sich der Vattenfall-Chef deutliche Kritik an der Informationspolitik gefallen lassen. Die Vertreter der Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz warfen Rauscher verwirrende Angaben über die wirtschaftliche Lage vor. Vattenfall Europe ist eine Tochter des staatlichen Stockholmer Konzerns Vattenfall AB und präsentiert seine Ergebnisse sowohl nach schwedischen Bilanzierungsrichtlinien wie auch nach deutschem Handelsgesetzbuch (HGB). Dies führt beim Ergebnis des letzten Jahres zu 800 Millionen Euro Unterschied. Nach HGB machte Vattenfall Europe Verlust, nach schwedischen Regeln einen Gewinn. Kritisiert wurde zudem die mangelhafte Transparenz der Konzerntöchter. Es sei nicht ersichtlich, wie die Bewag oder die HEW im Einzelnen abgeschnitten hätten.

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