Wirtschaft : VDA-Präsident Gottschalk lobt die generelle Unterstützung der Bundesregierung für die Autoindustrie

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Begleitet von mehr Lob als Tadel der Autobranche für die Bundesregierung hat Bundeswirtschaftsminister Werner Müller am Donnerstag in Frankfurt die 58. Internationale Automobilausstellung (IAA) eröffnet. Bernd Gottschalk, Präsident des Branchenverbandes VDA, lobte die generelle Unterstützung der Bundesregierung für die Autoindustrie und insbesondere ihr Engagement für die Einführung von schwefelarmem und schwefelfreiem Benzin und eine überarbeitete Altautoverordnung. Er übte allerdings auch deutliche Kritik an der Steuerbelastung der Autofahrer und fehlenden Mitteln für den Straßenbau. Wirtschaftsminister Müller reagierte zwar nicht auf die Kritik, sprach sich aber ganz im Sinne der Automanager gegen eine deutliche Erhöhung des Benzinpreises aus: Angesichts der wirtschaftlichen Bedeutung der Automobilindustrie seien Vorschläge drastischer jährlicher Benzinpreisverteuerungen "schlicht indiskutabel". Die weitere Ökologisierung des Verkehrs sei auch ohne Bestrafung der Autofahrer auf gutem Weg. Die 1999 wieder steigenden Nettoeinkommen der Verbraucher würden nach aller Erfahrung auch dem Auto zugute kommen.

Müller würdigte die Anstrengungen der Autohersteller für den Umweltschutz, forderte aber eine noch schnellere Umsetzung solcher Konzepte. "Ein entscheidender Schritt wäre erreicht, wenn das Dreiliter-Auto in vielen Modellvarianten zu vertretbaren Preisen und ohne große Komforteinbußen für den Verbraucher zur Verfügung stünde." Müller lobte die Wirtschaftskraft der deutschen Autohersteller, die nach Angaben des VDA in den letzten 18 Monaten 75 000 Arbeitsplätze geschaffen haben.

Von der IAA, auf der 1200 Aussteller bis zum 26. September ihre neuesten Modelle zeigen, soll nach Angaben von VDA-Präsident Gottschalk ein umweltpolitisches Signal ausgehen. Dafür stünden unter anderem das Dreiliter-Auto, sparsame Diesel- und Benzinmotoren sowie Antriebe mit Brennstoffzelle und Wasserstoff. Die Autoindustrie fühle sich dem Umweltschutz verpflichtet. Die Produkte zeigten aber auch, "dass Umweltschutz und Spaß am Auto kein Widerspruch sein muss". Gottschalk warnte davor, die Autofahrer weiter zu belasten. Sie könnten nicht für die Lösung aller Probleme von der Bahn bis zur Rente zur Kasse gebeten werden. "Fünf aufeinanderfolgende Mineralölsteuererhöhungen um je sieben Pfennig sind eine Hypothek für Konjunktur und Autofahrer." Die Ökosteuer treibe die Abgabenlast des Straßenverkehrs in den nächsten drei Jahren über die Grenze von 100 Milliarden Mark. Wenn auch noch die Steuer auf Diesel erhöht werde, sei die Grenze des Erträglich überschritten. "Nicht eine zusätzliche Belastung, sondern eine Entlastung wäre richtig." Gottschalk ließ durchblicken, dass sich der VDA Frankfurt auch künftig als Standort für die Pkw-Schau vorstellen könnte. Bislang steht nur fest, dass die IAA 2001 dort stattfindet. Hessens Ministerpräsident Roland Koch und Frankfurts Oberbürgermeisterin Petra Roth nutzen die Eröffnungsfeier dazu, laut für Frankfurt zu trommeln. "Frankfurt ist der beste Standort, den es für die IAA geben kann", sagte Koch und hatte damit vor allem das starke Interesse Berlins an der IAA im Blick. Das werde sich auch im Jahr 2000 zeigen, wenn die Lkw-Ausstellung wegen der Expo von Hannover nach Frankfurt verlegt wird.

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