Wirtschaft : Veba-Chef betont Bereitschaft zum Konsens

ESSEN (jsn/val/HB).Die Bonner Pläne zum Ausstieg aus der Kernenergie beurteilt der Vorstandsvorsitzende der Veba AG in Düsseldorf, Ulrich Hartmann, nüchtern: "Wir müssen - auch wenn es schwerfällt - den Primat der Politik akzeptieren", sagte der Veba-Chef auf der Herbstversammlung der Deutsch-Norwegischen Handelskammer in Essen.Hartmann hofft aber bei der neuen Bundesregierung auf Pragmatismus und Lernfähigkeit.Im Moment allerdings sei ihm schleierhaft, wie die Regierungskoalition energieintensive Industrien von anderen Industrien abgrenzen werde.Die Energiepolitik sei kein Experimentierfeld, sondern ein Schlüssel für die Zukunft der deutschen Volkswirtschaft, warnte Hartmann.Positiv sieht er, daß die Regierungskoalition über den Ausstieg aus der Kernenergie mit der Stromwirtschaft verhandeln will, und zwar ohne vorher Fristen und Zeitpunkte festzusetzen.Der Veba-Chef verspricht: "Wir werden diese Verhandlungen konstruktiv führen, aber mit der gebotenen Skepsis und Vorsicht", schon aus Verantwortung gegenüber den Aktionären.

Ein rascher Ausstieg aus der Kernenergie habe "massive negative Folgen für die Wettbewerbsfähigkeit" der heimischen Wirtschaft.Stromengpässe nach einem Ausstieg würden auch zwangsläufig zu einer Ausweitung und Verteuerung der Stromimporte führen, und dieser Strom käme dann wohl zu großen Teilen aus Kernkraftwerken, prophezeite Hartmann.Der Veba-Chef bezeichnet es als Irrglauben zu meinen, mit dem Ausstieg aus der Kernenergie wäre der Weg für erneuerbare Energieträger frei."Wenn wir Kernkraftwerke schnell ersetzen müßten, dann hätten wir dazu keine andere Möglichkeit als durch den Bau von Gas- und Kohlekraftwerken." Hartmanns Fazit: Während die Kernenergie heute angeblich erneuerbare Energieträger blockiert, werde der Weg zu erneuerbaren Energieträgern mit dem Ausstieg aus der Kernenergie noch beschwerlicher und länger.Die Bereitschaft zum Konsens ist in Düsseldorf aber groß.Veba und PreussenElektra hätten in der Vergangenheit eine wesentliche Rolle bei den leider bislang vergeblichen Bemühungen um einen Energiekonsens gespielt, sagte Hartmann.Ihm ist ein Konsens lieber als jahrelange Auseinandersetzungen über Entschädigungsfragen.Doch niemand solle sich täuschen: "Wenn es denn sein muß, schrecken wir auch davor nicht zurück." Konsensverhandlungen setzten ein Vertrauensverhältnis voraus.Und daß die atomrechtliche Bundesaufsicht im Bundesumweltministerium bleiben solle, sei nicht gerade vertrauensbildend, monierte Hartmann.

Die neue Regierung müßte nach Meinung des Veba-Chefs nicht den Ausstieg aus der Kernenergie vorantreiben, sondern mit Reformen beginnen, etwa beim Stromeinspeisegesetz.Das Gesetz sieht vor, daß die Versorger den Produzenten bestimmter alternativer Energien einen Teil davon abnehmen müssen.Hartmann fordert, die Lasten anders zu verteilen - etwa durch einen bundesweiten Aufschlag auf die Preise für die Stromnetze.So könnten auch erneuerbare Energieträger sinnvoll gefördert werden, meinte Hartmann.Für sein Unternehmen setzt Hartmann in Zukunft auf mehr Marktanteile in Deutschland.Dies sei nur auf Kosten anderer Wettbewerber möglich und bedeute somit aggressive Konkurrenz.Darüber hinaus plant die Düsseldorfer Konzernzentrale "systematisch ein weitergehendes internationales Engagement".Die Zeit der Monopole und der nationalen Alleingänge in der Energiepolitik sei vorbei.Strom und Gas würden "zu einer ganz normalen Handelsware".

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