Wirtschaft : Veba und Viag: "Keine Fusionsverhandlungen"

MÜNCHEN / BERLIN (tmh/Tsp). Über eine Fusion der Mischkonzerne Veba und Viag ist noch nicht entschieden. Die Düsseldorfer Veba AG und die Viag AG, München, haben am Freitag dementiert, daß sie bereits über eine Fusion verhandeln. Allerdings gaben die Unternehmen zu, es gebe unverbindliche Kooperationsgespräche. Viag-Sprecher sagten, ihr Unternehmen spreche mit der Veba und mit anderen nationalen sowie internationalen Energieversorgern. Konkrete Vereinbarungen indes gebe es nicht. In der Branche rede angesichts der Liberalisierung im Strommarkt zur Zeit jeder mit jedem. So hieß es auch in einer Erklärung von Veba. Allerdings stellte Veba fest: "Veba führt keine Verhandlungen, auch nicht mit Viag." Ob die Gespräche mit dem Ziel einer Großfusion geführt werden, wollte bei Viag niemand konkret erläutern. Es werde "alles sondiert," hieß es. Die gesamte Palette von Kooperationen stehe offen.Ein Zusammengehen von Veba und Viag, über das das "Handelsblatt" berichtet hatte, würde einen Konzern mit rund 133 Mrd. DM Umsatz und 78 Mrd. DM Börsenwert ergeben. Beide zusammen beschäftigen über 200 000 Mitarbeiter und erzielten im vergangenen Jahr 3,9 Mrd. DM Gewinn nach Steuern. Sie gehören zu den wichtigsten 20 deutschen Aktiengesellschaften: Veba ist die Nummer elf im Deutschen Aktien-Index Dax, Viag ist die Nummer 20. Im Stromgeschäft ist die Viag mit dem Münchner Bayernwerk und Veba mit der Preussenelektra, Hannover, aktiv. Zusammen würden sie die Essener RWE AG als Nummer eins am deutschen Strommarkt ablösen. Darüber hinaus sind beide Fusionskandidaten in den Sparten Chemie und Telekommunikation tätig.Viag mußte erst kürzlich Fusionspläne aufgeben: Ende März platzte der Zusammenschluß mit der Schweizer Alusuisse. Dabei lag der Fokus allerdings auf einer Stärkung des Viag-Industriegeschäfts. Großes Interesse zeigten die Münchner zuletzt auch an einem Einstieg beim Energieversorger Energie Baden-Württemberg (EnBW) in Stuttgart. Für die Fusionspläne von Veba und Viag liegt laut Handelsblatt eine Voranfrage im Bundeskartellamt vor. Die Berliner Behörde will das weder dementieren noch bestätigen. Zu vertraulichen Vorgesprächen gebe man grundsätzlich keine Auskunft, sagte ein Sprecher. Er wollte sich auch nicht zu angeblich im Strombereich bestehenden Fusionshindernissen äußern. Sollten die Kartellwächter grünes Licht geben, würden die Konzernchefs Ulrich Hartmann (Veba) und Wilhelm Simson (Viag) zügig in konkrete Fusionsverhandlungen treten."Eine Vollfusion ist nicht vorstellbar," sagte ein Bankenanalyst. Angesichts zu unterschiedlicher Größenverhältnisse sei ein gleichberechtiger Zusammenschluß nicht möglich und eine Fusion de facto nur durch eine Auflösung der Viag zu erreichen. Dem freilich stünden bayerische Interessen entgegen. Der Freistaat ist mit einem Viertel am Münchner Mischkonzern beteiligt. Denkbar sei eine enge Kooperation unterhalb der Fusionsschwelle, sagt der Experte.

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