Wirtschaft : Verbraucher wählen Aldi auf Platz eins

Umfrage: Discounter ist bestes deutsches Unternehmen

Deike Diening

Wenn man die Verbraucher fragt, ist Aldi das erfolgreichste deutsche Unternehmen, gefolgt von BMW, Daimler und VW. Die Deutsche Bahn liegt, recht erwartbar, weit abgeschlagen auf dem 30. und letzten Platz. Dieselben 1338 befragten Bundesbürger glauben, dass der Stern des Qualitätsbegriffs „Made in Germany“ sinkt (49 Prozent). Zu diesem Ergebnis gelangte die Studie „Excellence Barometer 2003“. Sie wurde am Mittwoch von der Deutschen Gesellschaft für Qualität, dem Marktforschungsunternehmen Forum und dem Wirtschaftsmagazin „Impulse“ in Berlin vorgestellt.

Ihr Ziel war es herauszufinden, wie leistungsfähig die deutsche Wirtschaft ist und wodurch sich erfolgreiche Firmen von weniger erfolgreichen unterscheiden. Befragt wurden neben den Verbrauchern 1066 Firmenchefs, das heißt Vorstände und Geschäftsführer mittelständischer und großer Unternehmen. Sowohl die Unternehmer (47 Prozent) als auch die Verbraucher (38 Prozent) machen für die konjunkturelle Lage vor allem die Regierung verantwortlich. Erst nach den Effekten durch internationale Einflüsse und die Gewerkschaften sehen sie die Verantwortung des Managements in den Unternehmen. Dabei glauben zwar 67 Prozent, dass das Ansehen der deutschen Wirtschaft in den vergangenen zehn Jahren gesunken ist. Zugleich schätzt sich jedoch eine Mehrheit der Unternehmen selbst als überdurchschnittlich gut ein. Die Verfasser der Studie sichten hier die rosa Brille auf den Nasen der Unternehmensführer.

Das Management, so die Studie, sei vor allem fachlich und technisch qualifiziert, dabei verlangten jedoch gerade Krisenzeiten den Führungskräften eine hohe kaufmännische und soziale Kompetenz ab. Im Vergleich der erfolgreichen mit den weniger erfolgreichen Unternehmen ergab die Studie, dass vor allem Letztere in ihre Mitarbeiter investieren. Sie informieren sie besser, erarbeiten Ziele mit ihnen, fördern Teamarbeit, geben ihnen regelmäßig Beurteilungen und erarbeiten individuelle Entwicklungspläne. Unternehmen, die erfolgreich arbeiten, haben auch häufiger ein Qualitäts- oder Umweltzertifikat.

Bahn ist Schlusslicht

Wenn man Michael Rogowski fragt, den Chef des Industrieverbandes BDI, relativiert sich das Studien-Ergebnis allerdings. Denn würde die deutsche Wirtschaft im Ausland als so schlecht eingestuft, hätte sie nicht einen derartigen Exporterfolg. Studien wie diese, sagte Rogowski, könnten dazu führen, dass man glaube, mit dicken Handbüchern gute Manager produzieren zu können. Aber man solle nie zu viel Papier wälzen, um ans Ziel zu gelangen: „Qualität ist eine Frage der Geisteshaltung, nicht eine Frage von Zertifikaten.“

Und was die Verbraucher angeht? „Image drückt sich in solchen Studien aus, aber das sollte man nicht überbewerten. Es ist nicht alles Toll Collect.“ Es gebe viele „Hidden Champions“, gut arbeitende Firmen, die in der Studie nicht auftauchten, weil sie nicht vor den Augen des Verbrauchers operierten. Dass das Management der deutschen Firmen so sehr die technische und fachliche Kompetenz betone, sei durchaus notwendig, um international konkurrieren zu können.

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