Wirtschaft : Verbraucherpreise: Ölpreise treiben im Juni die Inflation auf rund zwei Prozent

In etlichen deutschen Bundesländern sind die Verbraucherpreise im Juni vor allem auf Grund des hohen Ölpreises deutlich angestiegen. In Sachsen betrug die Jahresteuerung nach Angaben des Statistischen Landesamtes vom Freitag 1,9 Prozent, Bayern meldete im Jahresvergleich ein Plus von 1,7 Prozent. Bereits am Mittwoch hatte Baden-Württemberg mitgeteilt, dass die Jahresinflation im Juni die Marke von 2,0 Prozent überstiegen habe, in Hessen blieb sie nur leicht darunter. Analysten erwarten, dass die Inflation in der Euro-Zone kurzzeitig über die Marke von 2,0 Prozent steigen könnte. Wie in Baden-Württemberg und Hessen waren auch in Sachsen und Bayern vor allem Preissteigerungen bei Mineralölerzeugnissen für den Anstieg der Inflation verantwortlich. Das sächsische Statistikamt teilte mit, Heizöl sei im Jahresvergleich um 49,7 Prozent und Kraftstoffe um 24,6 Prozent teurer geworden. In Bayern legte Heizöl im Jahresvergleich sogar um 54,8 Prozent zu, Kraftstoffe um 23,1 Prozent.

Ralph Solveen, Volkswirt bei der Commerzbank, hatte bereits nach der Veröffentlichung der ersten Länder-Preisdaten am Mittwoch vor allem die gestiegenen Rohölpreise und den weiterhin vergleichsweise schwachen Euro für den Preisanstieg verantwortlich gemacht. Da jedoch eine Erholung des Euro und ein Rückgang der Ölpreise erwartet werde, sei der Inflationsdruck wohl nur vorübergehend. Nach dem Entschluss der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec), die Ölförderung nur um 708 000 Barrel pro Tag zu erhöhen, war der Ölpreis jedoch bereits am Donnerstag wieder gestiegen. Londoner Händler hatten erklärt, die Fördererhöhungen würden kurzfristig kaum etwas an den hohen Ölimportkosten der Industrienationen ändern.

Für Deutschland erwartet Solveen im Juni eine Inflationsrate von 1,9 Prozent. Das Statistische Bundesamt wird die auf Basis der sechs Länderdaten ermittelten vorläufigen Zahlen zur Teuerung voraussichtlich in der kommenden Woche veröffentlichen. Auch für die Euro-Zone erwarten Analysten, dass die Preise weiter steigen werden. "Die erneuten Belastungen durch den Ölpreis könnten im Gesamtindex dazu führen, dass die Inflationsrate im Juni wieder auf knapp über zwei Prozent klettert", hieß es bei der Dresdner Bank. Trotz dieser kurzfristigen Eintrübung blieben die längerfristigen Preisaussichten für das 2. Halbjahr jedoch weiter günstig.

Der inflationssensible Rentenmarkt reagierte am Freitag kurzzeitig mit Kursabschlägen. Der Euro-Bund-Future durchbrach zwischenzeitlich die Marke von 105 Punkten und markierte ein vorläufiges Tief bei 104,86 Punkten. Der Euro, der am Mittwoch in Reaktion auf die Daten aus Hessen und Baden-Württemberg nachgegeben hatte, reagierte kaum auf die neuen Daten. Im Handelsverlauf in Europa arbeitete sich der Euro wieder über die Marke von 0,94 Dollar, nachdem sie im Referenzkursverfahren öffentlicher Banken am Mittag noch mit 0,9375 Dollar festgestellt worden war.

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