Wirtschaft : Verbraucherschützer warnen vor der Tchibo-Rente

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Das geplante Angebot von Riester-Verträgen über den Kaffeeröster Tchibo ist bei Verbraucherschützern auf Ablehnung gestoßen. Er halte den Vertrieb der Rentenversicherungen über die Ladentheke für "problematisch", sagte der Finanzexperte der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, Thomas Bieler, am Montag in Düsseldorf. Altersvorsorge könne nicht beim Kaffeekauf erledigt werden. Er gehe davon aus, dass die Kunden das Angebot nicht annehmen werden. Dafür sei das Thema zu sensibel. Dagegen hoffen Tchibo und die Axa-Versicherung auf Tausende von Verträgen, für die die Beratung ausschließlich per Telefon erfolgen soll.

Bei der Kaffeefirma könnten "vielleicht T-Shirts oder Regenschirme verkauft werden", sagte Bieler. Sie aber sei nicht die richtige Adresse für Produkte zur Altersvorsorge. Der Finanzexperte forderte die Verbraucher erneut auf, sich beim Abschluss eines Vertrages zur Riester-Rente Zeit zu lassen. Im Moment müsse abgewartet werden, weil sich der Markt erst aufbaue. Derzeit sei kein vernünftiger Vergleich zwischen den Angeboten möglich. Eine wirkliche Entscheidung könne deshalb erst Mitte des Jahres getroffen werden.

Tchibo will ab sofort exklusiv eine Rentenversicherung des Kölner Versicherungskonzerns Axa anbieten. Dafür sollen in allen 800 Filialen der Kaffee-Kette sowie in sämtlichen Supermärkten und Bäckereien mit Tchibo-Regalen Infobroschüren über das Produkt ausliegen. Damit können sich die Kunden über das Angebot informieren und bei Interesse entweder sofort das Antragsformular ausfüllen oder eine Telefonhotline anrufen. Dort werden die Anrufer von Fachleuten der Axa beraten. Ein Hausbesuch bei weiterem Informationsbedarf ist nach Angaben von Axa-Sprecher Ingo Koch dagegen nicht vorgesehen. Nur so könnten niedrige Vertriebskosten garantiert werden, die die Kunden von dem Angebot überzeugen sollen.

Tchibo schließt auch das Angebot weiterer Finanzprodukte nicht aus. Dies sei "durchaus denkbar", sagte Unternehmenssprecher Joachim Andreas Klähn. "Wie sehen diesen Bereich als eine strategische Neuausrichtung an." Klähn zeigte sich zudem überzeugt, dass das Unternehmen gemeinsam mit Axa von den Riester-Produkten "viele tausend" Verträge verkaufen werde. Was Tchibo dafür als Provision verdient, wollten beide Seiten nicht sagen. Ein Sprecher der Kölner Versicherungsgruppe bezeichnete es lediglich als "normal", dass auch Tchibo etwas verdient.

Verbraucher können seit Beginn dieses Jahres zwischen mehreren Tausend Angeboten zur privaten Altersvorsorge wählen. Die so genannte Riester-Rente dient dazu, die Absenkung des staatlichen Rentenniveaus abzufedern. Die staatlichen Zuschüsse zu den privaten Einzahlungen steigen bis zum Jahr 2008 schrittweise an. Um in den Genuss der Förderung für das laufende Jahr zu kommen, muss der entsprechende Vertrag nur vor Ende des Jahres abgeschlossen werden. Auch ein Vertragsschluss im Dezember würde noch ausreichen, um sich den staatlichen Zuschuss und die Steuerbegünstigungen zu sichern.

Das Geschäft mit der Riester-Rente ist jedoch schleppender angelaufen als die Versicherungsgesellschaften erwartet hatten. Offensichtlich warten viele Kunden erst einmal ab, wie sich das Geschäft entwickelt. Damit handeln sie nach Meinung der Verbraucherschützer genau richtig. Denn neben Biehler warnen auch andere Versicherungsexperten vor voreiligen Vertragsabschlüssen. So lange es keine verlässlichen Versicherungsvergleiche gebe, meint etwa Wolfgang Scholl vom Bundesverband der Verbraucherzentralen, solle der Kunde seine Unterschrift nicht unter das Vertragsformular setzen.

Außerdem ist der Abschluss einer privaten Rentenversicherung nicht die einzige Möglichkeit, die Riester-Förderung in Anspruch zu nehmen. Ebenfalls staatlich unterstützt werden unter bestimmten Voraussetzungen Banksparpläne, Investmentfonds, Wohneigentum und Beiträge zur betrieblichen Altersvorsorge.

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