Verdacht auf Untreue : Großrazzia bei Managern der früheren Sachsen LB

Ein Jahr nach der spektakulären Beinahepleite der Sachsen LB gerät die frühere Führungsriege in Bedrängnis: Gegen fünf frühere Vorstände der ehemaligen Landesbank wird in einer Großrazzia vorgegangen.

LeipzigStaatsanwaltschaft und Polizei haben am Dienstag wegen Untreueverdachts Wohnungen und Geschäftsräume von fünf ehemaligen Vorstandsmitgliedern der früheren Sachsen LB durchsucht. Die Hausdurchsuchungen fanden in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Hessen, Berlin und im irischen Dublin statt. Insgesamt wurden 28 Objekte - darunter Büros und Wohnungen der Beschuldigten - durchsucht. Neben zahlreichen Polizisten waren zehn Staatsanwälte im Einsatz.

Die Auswertung der bei den Razzien beschlagnahmten Beweismittel werde noch längere Zeit in Anspruch nehmen, sagte der Sprecher der Leipziger Staatsanwaltschaft, Ricardo Schulz. Der derzeitige Vorstand der Sachsen Bank habe der Staatsanwaltschaft umfassende Unterstützung bei der Aufklärung der Vorwürfe zugesichert.

Existenz der Bank aufs Spiel gesetzt



"Wir haben einen Anfangsverdacht, der die Durchsuchungen rechtfertigt“, sagte Schulz. Gegen die fünf ehemaligen Vorstände werde wegen des Verdachts der Untreue und unrichtiger Darstellung in den Jahresabschlüssen ermittelt. Durch die erhebliche Ausweitung der Geschäfte der Bank hätten die Ex-Manager möglicherweise die Existenz der Bank aufs Spiel gesetzt.

Wie andere staatsnahe Banken kam auch die Sachsen LB durch Milliarden-Geschäfte auf dem US-Immobilienmarkt ins Schleudern. Um sie vor der Pleite zu retten, wurde sie an die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) notverkauft und heißt nun Sachsen Bank. Die LBBW hatte die einzige ostdeutsche Landesbank komplett übernommen, nachdem diese wegen Spekulationsgeschäften ihrer irischen Tochterfirma auf dem US-Hypothekenmarkt 2007 an den Rand der Pleite geraten war. Zugleich übernahm das Land Sachsen eine Bürgschaft von 2,75 Milliarden Euro für riskante Geschäfte der Sachsen LB im Umfang von 17,5 Milliarden Euro. Die Bürgschaft entspricht etwa einem Fünftel des Landeshaushalts. Der sächsische Ministerpräsident Georg Milbradt trat wegen des Debakels um die Sachsen LB Ende Mai 2008 zurück. (sgo/AFP)

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