• Verdi-Chef Bsirske soll Aufsichtsmandat bei RWE aufgeben Konzern wartet mit Investitionen bis EU neues Klima-Gesetz bewilligt

Wirtschaft : Verdi-Chef Bsirske soll Aufsichtsmandat bei RWE aufgeben Konzern wartet mit Investitionen bis EU neues Klima-Gesetz bewilligt

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(tas). Der Energiekonzern RWE will mit Investitionen in neue Kohlekraftwerke warten, bis die Europäische Kommission dem Kompromiss der Bundesregierung zum Emissionshandel zugestimmt hat. „Konkrete Investitionsentscheidungen können wir erst dann treffen, wenn das entsprechende Gesetz vorliegt und die EU den Plan genehmigt hat“, sagte Vorstandschef Harry Roels am Donnerstag auf der RWEHauptversammlung in Essen. Der Konzern wolle im Mai den Bauantrag für ein schadstoffarmes Braunkohlekraftwerk im rheinischen Neurath einreichen, sofern bis dahin die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt seien.

Deutliche Kritik gab es von Seiten der Aktionärsschützer – allerdings nicht an der Unternehmensstrategie des Energiekonzerns, sondern an der Besetzung seines Aufsichtsrates. Dem gehört nämlich Verdi-Chef Frank Bsirske an. „Ich kann nicht erkennen, warum Gewerkschaftsfunktionäre in Aufsichtsräten sitzen müssen“, sagte Marc Tüngler von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Sie unterlägen einem unauflösbaren Interessenkonflikt und würden das Unternehmen schädigen. Tüngler forderte daher Verdi-Chef Bsirske auf, von seinem Amt im RWE-Kontrollgremium zurückzutreten. „Ist er nächstes Jahr immer noch da, werden wir ihm die Entlastung verweigern.“ Bsirske selbst war zur Hauptversammlung nicht erschienen.

Hintergrund der Rücktrittsforderung ist Bsirskes Verhalten als Aufsichtsrat der Lufthansa. Im Jahr 2002 hatte er sich für eine Bestreikung des Flughafens Frankfurt eingesetzt, durch die auch der Lufthansa ein Millionenschaden entstanden sein soll. Deswegen verweigerten ihm die Lufthansa-Aktionäre im Jahr 2003 die Entlastung als Aufsichtsrat. Folgen hatte das keine: Bsirske ist auch heute noch stellvertretender Vorsitzender im Aufsichtsrat der Fluglinie.

Für das laufende Jahr rechnet RWE mit zweistelligen Steigerungsraten, weil die Bilanz von hohen Aufwendungen verschont bleiben soll. Durch Verkäufe soll die Konzernstruktur weiter gestrafft werden: Die Trennung vom größten deutschen Baukonzern Hochtief ist vollzogen, und auch die Abspaltung der einstigen Konzernsäule „Umwelt“ ist beschlossene Sache. Den Aktionären versprach Roels eine wachsende Dividende. Für 2003 erhalten sie 1,25 Euro je Aktie.

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