Versandhaus : Quelle streicht 3700 Stellen

Die Sanierung des insolventen Versandhauses Quelle kostet Tausende Mitarbeiter ihren Job. Bis Januar 2010 sollen bei der Arcandor-Sparte Primondo, deren Kern Quelle ist, rund 3700 der 10.500 Stellen gestrichen werden.

David C. Lerch
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Bittere Sanierung. Die Beschäftigten des Versandhauses sind von den Plänen am stärksten betroffen. Das Kalkül des...Foto: dpa

DüsseldorfDie Sanierung des insolventen Versandhauses Quelle kostet Tausende Mitarbeiter ihren Job. Bis Januar 2010 sollen bei der Arcandor-Sparte Primondo, deren Kern Quelle ist, rund 3700 der 10 500 Stellen gestrichen werden. Das teilte der vorläufige Insolvenzverwalter von Arcandor, Klaus Hubert Görg, am Donnerstag in Nürnberg mit. Dafür sollen alle 109 Quelle-Filialen mit technischen Geräten geschlossen und die Zahl der sonstigen Verkaufsshops von 1450 auf rund tausend reduziert werden. Zudem werden Stellen in der Verwaltung gestrichen. Auch bei der Warenhaustochter Karstadt stehen Einschnitte bevor. 19 der 126 Waren- und Sporthäuser stehen Görg zufolge auf dem Prüfstand. Ebenfalls in Gefahr sind Jobs bei der Deutschen Post. Dort erledigen rund 4000 Beschäftigte Aufträge für Arcandor.

Am Donnerstag legte die Insolvenzverwaltung von Arcandor die ersten Eckpunkte des Sanierungsplans vor, an dem das Team um den Kölner Anwalt Görg seit der vorläufigen Eröffnung des Insolvenzverfahrens am 9. Juni gearbeitet hat. Der Plan sieht getrennte Lösungen für die drei Konzerntöchter Primondo, Karstadt und Thomas Cook vor. Die Bemühungen um einen neuen Investor für den Gesamtkonzern, die vor allem Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick zuletzt vorantrieb, hat man inzwischen aufgegeben. Karstadt und Quelle, die 1999 fusionierten, sollen nun einzeln saniert, und die Anteile an dem britischen Touristikkonzern Thomas Cook, die 2007 gemeinsam mit dem neuen Namen Arcandor dazukamen, an der Börse verkauft werden.

Die schmerzlichsten Einschnitte stehen dem fränkischen Traditionshaus Quelle bevor. Neben den bis Januar geplanten Entlassungen sieht Görg auch die Finanzierung des laufenden Betriebs gefährdet, wenn ab September das offizielle Insolvenzverfahren eröffnet wird und die Übergangszahlungen der Bundesagentur für Arbeit enden. Die Hausbank Valovis biete bisher zu ungünstige Konditionen für die Vorfinanzierung des Versandgeschäfts, sagte Görg. Darüber hinaus sucht Quelle dringend einen Käufer. „Ohne einen Investor bis spätestens Weihnachten können wir nicht überleben“, sagte der Betriebsratschef von Quelle, Ernst Sindel, dem Tagesspiegel. Die Chancen dafür sind offenbar gestiegen. Am Donnerstag sprach Görg erstmals von bis zu acht ernsthaften Interessenten. Parallel dazu will der Betriebsrat nach Lösungen suchen, um die angekündigten Entlassungen sozial abzufedern. Dafür gebe es erste Signale von der bayrischen Landesregierung.

Auch bei Karstadt seien Stellenstreichungen unumgänglich, erklärte der Insolvenzverwalter. Eine Größenordnung nannte er nicht. Allerdings deutete er an, eine ganze Reihe von Häusern schließen zu wollen: Man habe 19 Filialen identifiziert, deren Perspektive überprüft werde. Je nach Größe beschäftigt ein Haus 120 bis 250 Mitarbeiter. „Unser Ziel ist es, so viele Häuser wie möglich zu erhalten“, sagte Görg . Dies hänge aber auch von den Beiträgen der Arbeitnehmer und der Vermieter der Karstadt-Häuser ab. Der Betriebsrat signalisierte bereits seine Bereitschaft zu Zugeständnissen. „Ich bin mit jeder Lösung einverstanden, bei der viele Arbeitsplätze gerettet werden“, sagte die stellvertretende Vorsitzende des Betriebsrats, Gabriele Schuster. Unterdessen hat der Arcandor-Konkurrent Metro sein Interesse an Karstadt bekräftigt. Man sei nach wie vor zu Gesprächen bereit, sagte ein Sprecher. Metro hatte bereits vor der Insolvenz von Arcandor darum geworben, etwa 60 Filialen von Karstadt zu erwerben und mit der eigenen Warenhaustochter Kaufhof zu verschmelzen.

Die Touristiksparte Thomas Cook, an der Arcandor mit 43 Prozent beteiligt ist, musste am Donnerstag rote Zahlen bekannt geben. Nach drei Quartalen des bis September laufenden Geschäftsjahres verbuchte der weltweit zweitgrößte Reiseveranstalter einen Verlust von umgerechnet 204 Millionen Euro. Als Grund nannte der Konzern die sinkende Reiselaune durch Wirtschaftskrise und Schweinegrippe. Seine Anteile hat Arcandor an mehrere Banken verpfändet, die derzeit einen Verkauf prüfen. Der Erlös soll bei den Verhandlungen um die Zukunft von Karstadt und Quelle weiterhelfen, wie Konzernchef Eick am Donnerstag in einem Brief an die Mitarbeiter versicherte.

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