Wirtschaft : Versicherer AMB unter neuem Dach

AACHEN (rl/HB).Das Abfindungsangebot des neuen Mehrheitsaktionärs, der italienischen Generali, an die übrigen Aktionäre ist nach Angaben des Vorstands der Aachener und Münchener Beteiligungs-AG (AMB) "nur wegen des Übernahmekodex gemacht worden." Es sei keineswegs der Wille der Italiener, die Kleinaktionäre zu vertreiben.Eher scheint das Gegenteil der Fall zu sein.Wie AMB-Chef Hans Jäger erklärte, hielte die Generali zur Zeit 54 Prozent der AMB-Aktien.Im Extrem könnte sie auf etwa 74 Prozent kommen.Denn, Allianz (4 Prozent), Münchener Rück (8) und Dresdner Bank (5,1) würden jeweils kleinere Pakete behalten.Es könne auch sein, daß Generali einen Teil der zusätzlichen Aktien wieder an den Markt zurückgebe.Es sei "erklärtes Ziel, daß die AMB auch künftig einer der führenden deutschen Börsenwerte mit einem hohen Anteil freier Aktionäre bleiben wird." Die 210 DM seien der Preis, den die Allianz mit der Generali ausgehandelt habe.Hochgerechnet ergäbe sich daraus ein Wert von 10,5 Mrd.DM für die gesamte AMB, was nur etwa 60 Prozent des Umsatzes entspreche.

In Deutschland ist die Generali bisher über die Deutsche Generali sowie den Deutschen Lloyd vertreten; Umsatz 3,5 Mrd.DM.Beide werden zur Zeit auf eine Holding verschmolzen.Die Gespräche über die gemeinsame Zukunft müssen deshalb noch etwas warten.Erfreut zeigte sich Jäger, daß die Generali ihnen weiterhin die Eigenständigkeit ließe und daß sie die Maßnahmen der Strukturveränderung fortführen könnten.Davon verspricht er sich per anno ein Einsparpotential von rund 400 Mill.DM.110 Mill.DM davon seien schon 1997 erreicht worden.Vorteile rechnet sich das Management auch im internationalen Geschäft aus.Zusammen mit der AMB würde die Generali in Europa auf Platz drei nach Allianz und Axa vorstoßen.Dabei sei die Konzentration auf eine Marke nicht notwendig.Man setze auf Vertriebsvielfalt.Der Vertrieb der AMB ist in der Kompositversicherung stark auf den Vertreter konzentriert (60 Prozent der verdienten Prämie), wohingegen dort nur 18 Prozent über die Deutsche Vermögensberatung AG (DVAG) hereinkommen.In der Lebensversicherung dominieren Vertreter und DVAG mit je 35 Prozent der Neugeschäftsprämie.Die Kooperation mit der BfG ist der AMB immerhin so viel wert, daß sie ihre 25 Prozent Stimmen zum Boykott einsetzen würde, wenn durch den geplanten Mehrheitswechsel dort die Zusammenarbeit gefährdet werde.Die Beteiligung an der niederländischen Versicherung Royal Dutch (1,2 Mrd.DM Umsatz) wird zudem an AGF verkauft.

Der AMB-Konzern hat in den ersten vier Monaten 1998 vier Prozent mehr eingenommen.1997 wurden gut 20 Mrd.DM eingenommen, davon 17,5 Mrd.DM aus Versicherungen.Der Gewinn verbesserte sich um 17,2 Prozent auf 402 Mill.DM nach Steuern.Die Eigenkapitalrendite beträgt 16,7 Prozent.Das DVFA-Ergebnis je 5-DM-Aktie verbesserte sich von 7,10 auf 8,35 DM.Die Dividende wird von 1,60 auf 1,70 DM angehoben.

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