Versicherungskonzern : Allianz baut trotz Rekordgewinn Stellen ab

Die Allianz hat 2007 so viel verdient wie noch nie - dennoch streicht der Versicherungskonzern 450 Stellen im Investmentbanking und schließt weitere Belastungen durch die Kreditkrise nicht aus. Spekulationen über eine Übernahme der Postbank kommentiert die Allianz bislang nicht.

Allianz Foto: ddp
Der Allianz-Vorstandsvorsitzende Michael Diekmann. -Foto: ddp

MünchenTrotz der Turbulenzen an den Finanzmärkten ist der Gewinn der Allianz nach Steuern 2007 um 13,5 Prozent auf acht Milliarden Euro gestiegen. Das teilte das Unternehmen am Donnerstag in München mit. Die Anzahl der Kunden stieg demnach weltweit um sieben Prozent von 75 Millionen auf 80 Millionen in 2007, der Umsatz der Unternehmensgruppe kletterte auf 102,6 Milliarden Euro.

Nach dem Rekordgewinn gibt sich Europas größter Versicherer beim Ausblick auf das laufende Jahr trotzdem zurückhaltend. Der Konzern sei zwar in einer starken Position, um seine mittelfristigen Ziele zu erreichen, sagte Vorstandschef Michael Diekmann. "In stärkerem Ausmaß als üblich beeinflussen aber die Finanzmärkte und ihre weitere Entwicklung unsere Geschäftsergebnisse." Eine konkrete Prognose für 2008 gab Diekmann zunächst nicht. In ihren Mittelfristzielen hatte die Allianz angekündigt, das operative Ergebnis bis 2009 jährlich um zehn Prozent steigern zu wollen.

Auch weitere Belastungen aus der weltweiten Kreditkrise schließt die Allianz nicht aus. "Wir haben in unserem Portfolio nach wie vor kritische Positionen", sagte Controlling-Vorstand Helmut Perlet. Dies betreffe zum einen den Bereich der zweitklassigen US-Immobiliendarlehen. Zudem könne es Belastungen geben, falls die Kreditversicherer, so genannte Monoliner, in Schwierigkeiten kommen. Die Risiken seien durch die Abschreibungen des vergangenen Jahres erheblich reduziert werden. Bei einer weiteren Verschlechterung der Märkte seien aber weitere Abschreibungen nicht ausgeschlossen.

Stellenabbau bei Investmentbank Dresdner Kleinwort

Nach einem Gewinneinbruch bei der Dresdner Bank - eine Tochtergesellschaft des Allianz-Konzerns - wegen der weltweiten Kreditkrise greift die Allianz unterdessen hart durch: Bei der Investmentbank Dresdner Kleinwort werden 450 Arbeitsplätze gestrichen. Der Stellenabbau sei zum Großteil bereits umgesetzt, sagte Allianz-Chef Michael Diekmann. Das Geschäft mit strukturierten Kreditprodukten, das in der Finanzkrise zu hohen Wertberichtigungen führte, soll demnach reduziert werden.

Die Dresdner Bank hatte wegen Abschreibungen in Höhe von 1,3 Milliarden Euro im vergangenen Jahr nur noch 730 Millionen Euro zum operativen Allianz-Gewinn beigesteuert nach knapp 1,4 Milliarden Euro im Jahr zuvor. "Auch ich freue mich nicht darüber, dass es diese Wertberichtigungen gegeben hat, und schon gar nicht über die Höhe", sagte Diekmann laut Redetext. Insgesamt habe sich die Dresdner aber einschließlich weiter Teile der Investment-Bank trotz des Gewinneinbruchs noch gut geschlagen. "Schaut man sich vergleichbare Institute etwas genauer an, so schneidet die Dresdner Bank in der gegenwärtigen Krise sogar einigermaßen respektabel ab."

Seit Jahren wird spekuliert, dass sich die Allianz von Dresdner Kleinwort trennen könnte. Die Investmentbank hatte zuletzt weltweit etwa 6000 Mitarbeiter. Er wolle sich nicht auf eine strategische Diskussion um die Zukunft der Sparte einlassen, sagte Diekmann. Notwendig seien operative Veränderungen, da das Umfeld noch immer "anormal" sei. Controlling-Vorstand Helmut Perlet betonte, der Großteil des Geschäfts der Dresdner Kleinwort sei in guter Verfassung. Die Bereiche, die nicht von der Kreditkrise betroffen seien, hätten ihr operatives Ergebnis verbessert.

Spekulationen über Postbank-Kauf

Zu Spekulationen über ein Interesse der Allianz an der Postbank wollten sich Konzern-Sprecher zunächst nicht äußern. Einem Zeitungsbericht der "Financial Times Deutschland" zufolge ist die Allianz an einem Kauf der Postbank interessiert. Demnach wolle die Allianz  für die Bank-Tochter der Deutschen Post mitbieten. Öffentlich Interesse an der größten deutschen Filialbank hatten zuvor bereits die Deutsche Bank und auch die Commerzbank bekundet. (jam/dpa/AFP)

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