Wirtschaft : Vier Wochen Zeit für die Lkw-Allianz

MAN will einvernehmliche Lösung mit VW und Scania und zieht Übernahmeangebot zurück

Alfons Frese

Berlin - In den kommenden vier Wochen soll ein Management-Team einen möglichen Zusammenschluss von MAN, Scania und der schweren Lkw-Sparte von VW prüfen. Um diese einvernehmliche Art der Zusammenarbeit zu ermöglichen, kündigte MAN die Rücknahme des Angebots für Scania an. VW-Chef Bernd Pischetsrieder begrüßte in einer Telefonkonferenz diesen Schritt. VW sei „für eine freundschaftliche Annäherung“, sagte Pischetsrieder und bekräftigte die „industrielle Logik“ einer Kooperation der Lkw-Hersteller. Vor gut zwei Wochen hatte MAN ein 9,6-Milliarden-Euro-Angebot für die schwedische Scania vorgelegt, das aber von den Scania-Aktionären – darunter VW mit 34 Prozent der Stimmrechte – abgelehnt worden war. In der vergangenen Woche dann überraschte VW mit der Übernahme von 15 Prozent an MAN für gut 1,5 Milliarden Euro. VW kommt nunmehr die Schlüsselrolle zu in der Auflösung des Übernahmewirrwarrs.

Im Rahmen der mit Spannung erwarteten Telefonkonferenz betonte Pischetsrieder mögliche Synergien, die durch einen Zusammenschluss von MAN und Scania sowie der Integration der schweren Lkw von VW realisiert werden könnten. Es werde immer wichtiger, die ganze Produktpalette anzubieten und für die Kunden auch das Flottenmanagement sowie Finanzierungen zu übernehmen. Vor allem in Osteuropa rechne er im Übrigen in den kommenden Jahren mit einer ständig steigenden Nachfrage nach schweren Lkw. Über die mögliche Struktur eines fusionierten Unternehmens wollte sich Pischetsrieder nicht äußern. Es sei Sache des Managerteams aus den beteiligten Unternehmen, in den nächsten vier Wochen eine Lösung vorzuschlagen. Er sei jedenfalls für alle Optionen offen, sagte der VW-Chef.

Zuvor hatte MAN mitgeteilt, man strebe „kurzfristig eine einvernehmliche Lösung für die Verwirklichung der geplanten Kombination von MAN AG und Scania AB auf dem Verhandlungswege an“. Ferner erwäge der Münchener Konzern, „unter bestimmten Bedingungen, die mit allen Beteiligten verhandelt werden müssen, das vorgelegte Übernahmeangebot zurückzuziehen“. Pischetsrieder begrüßte ausdrücklich die Bereitschaft zu einer „freundschaftlichen Annäherung“. Angesprochen auf Befürchtungen des MAN- Betriebsrats, VW wolle MAN zerlegen und zu einem reinen Lkw-Konzern umbauen, sagte Pischetsrieder, eine komplette Übernahme sei nie das Ziel von VW gewesen. Und für die Strukturen bei MAN seien MAN-Vorstand und -Aufsichtsrat zuständig.

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