Wirtschaft : Vivendi empfiehlt sich den Berliner Wasserbetrieben

BERLIN (asi).Noch vier Tage haben die Vorstände der internationalen Energie- und Wasserversorger Zeit, Gebote zur Privatisierung der Berliner Wasserbetriebe abzugeben.Dann wird es spannend: Wer paßt in das Anforderungsprofil des Senats, wer verspricht durch den Erwerb der Firmenanteile den größten Beitrag zur Haushaltssanierung Berlins, wer schmiedet die glaubwürdigsten Allianzen.Schon ab dem kommenden Wochenende will der Privatisierungsausschuß eine erste Verhandlungsliste zum Verkauf des Wasserversorgers vorbereiten.

Einer, der sich allzu gern auf dieser Hitliste der hauptstädtischen Verkäufer wiederfände, ist der französische Mischkonzern Vivendi.Sich selbst schon jetzt als den größten ausländischen Investor in Berlin bezeichnend empfahl sich Vivendi-Chef Jean-Marie Messier am Montag noch einmal eindringlich dem Berliner Senat.Vivendi, so Messier, sei praktisch schon jetzt ein regionales Unternehmen.Doch nun wolle man das Bekenntnis zur deutschen Hauptstadt noch einmal bekräftigen: Zwei Drittel aller Vivendi-Aktivitäten in Deutschland, versprach Messier, würden künftig von Berlin aus gesteuert.Die meisten deutschen Tochterunternehmen des Konzerns werden ihre Zentralen in die Region Berlin/Brandenburg verlegen.

Unbekannt ist der Pariser Konzern Vivendi in Berlin wohl spätestens seit Anfang der neunziger Jahre nicht mehr.Denn mit Öffnung der Mauer begann der 1853 gegründete französische Mischkonzern, der sich 1997 von Compagnie Générale des Eaux in Vivendi umbenannte, seinen Weg insbesondere in Ostdeutschland und in der Region Berlin/Brandenburg.Kauf und Sanierung des 47 Hektar großen Medienstandortes Potsdam Babelsberg gehören genauso zum Engagement Vivendis wie der Neubau bekannter Gebäude in der Ost-Berliner Innenstadt.Rund 10 000 Vivendi-Mitarbeiter verteilen sich in Deutschland auf mehr als dreißig Unternehmen.Drei Mrd.DM Umsatz, und damit knapp zwanzig Prozent der gesamten Gruppe, werden hierzulande erwirtschaftet.Neben der bei Vivendi noch jungen aber öffentlichkeitswirksamen Kommunikationssparte, zu der das Engagement in der Medienstadt Babelsberg zählt, sind die Franzosen vor allem im Versorgungs- und Immobilienbereich, im Anlagenbau und in der Recyclingwirtschaft tätig.So gehört die Berliner Verkehrsbau Union GmbH (VBU) zum Konzern, hat Vivendis Immobilientochter CGIS Deutschland das Quartier 207 und das Lindencorso in der Berliner Friedrichstraße erbaut.

Das Geschäft mit der Wasserversorgung war und ist jedoch das größte Standbein der Franzosen - zumindest international.Mit rund 70 Millionen Kunden und einem Umsatz von 12,3 Mrd.DM behauptete sich Vivendi auch 1997 als größter Wasserversorger der Welt mit Beteiligungen auf nahezu allen Kontinenten.Und auch den Berliner Wasserversorgern, die jetzt zur Teilprivatisierung anstehen, ist der französische Versorgungsmulti nicht unbekannt.Betreiben sie doch gemeinsam die Wasserversorgung Budapests.

Bis zum Ende der Woche erwartet der Senat allerdings noch erste und unverbindliche Gebote einer ganzen Reihe anderer Interessenten an den Wasserbetrieben.So gehen Experten nicht nur davon aus, daß neben Vivendi, die im Konsortium mit dem Rheinisch Westfälischen Energieversorger RWE-Umwelt bieten werden, die vier nächstgrößeren Wasserversorger Suez Lyonnaise des Eaux (Umsatz: 9,1 Mrd.DM), Thames Water (2,8 Mrd.DM), Severn Trent (2,6 Mrd.DM) und United Utilities (2,4 Mrd.DM) bieten werden.Auch das Interesse der französischen Eurawasser, der Gelsenkirchener Gelsenwasser AG und Branchenfremder ist bekannt.Die Bewag wird noch in dieser Woche über ein Gebot entscheiden.Mit ersten verbindlichen Angeboten und dem Beginn der Verhandlungen wird nicht vor Anfang Februar gerechnet.

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