Wirtschaft : Vivendi kauft Seagram: Der Bronfman-Clan: Erfolg mit Spirituosen und Show-Business

Eva Schweitzer

Es ist eine der reichsten Familien-Dynastien Amerikas, die Seagram führt und die fast die Hälfte der Anteile hält: Samuel Bronfman kaufte Seagram 1928, sein Sohn Edgar Bronfman Sr. ist Aufsichtsratsvorsitzender, dessen Sohn Edgar Bronfman Jr. seit 1989 Geschäftsführer, wobei Bronfman Sr. bis 1994 für die Verwaltung des Konzerns verantwortlich blieb. Der gebürtige Kanadier ist seit 1959 US-Bürger und lebt in New York, wo Bronfman Jr. geboren wurde.

Der 72-jährige Bronfman Sr. ist seit 1979 auch Präsident des World Jewish Congress, einer jüdischen Dachorganisation mit Sitz in New York, die Reparationen für jüdische Nazi-Opfer einsammelt; mit inzwischen - Bronfman zufolge - beachtlichen sieben Milliarden Dollar auf dem Konto. Der als pragmatisch geltende Unternehmer wurde weltweit bekannt durch sein Auftreten gegen Schweizer Banken, die Gelder von Holocaust-Opfern nicht an die Erben ausgezahlt hatten und denen er mit "totalem Krieg" drohte. Moderater hatte sich der WJC-Präsident früher im Ostblock gegeben. So warb er in der DDR um gute Beziehungen, weshalb ihm Erich Honecker 1988 den "Großen Stern der Völkerfreundschaft" verlieh.

Den 44-jährigen Edgar Bronfman Jr., das zweite von fünf Kindern, zog es zum Missfallen seines Vaters schon früh in die Unterhaltungsbranche: Statt ins College ging er ins Show-Business, ergatterte einen Job als Assistent des Hollywood-Produzenten David Puttnam, produzierte dann selbst - allerdings wenig erfolgreiche - Filme, trat als Liedermacher auf, auch hier ohne rechten Erfolg, und heiratete 1979, zum Entsetzen seines Vaters, die dunkelhäutige Schauspielerin Sherry Brewer. Aber drei Jahre später nahm ihn sein Vater wieder bei Seagram auf. Bronfman Jr. machte aus einem Spirituosenkonzern das fünftgrößte Medienunternehmen der Welt. Er erwarb Polygram Music sowie MCA mit Universal Studios und Geffen Records. Dies allerdings zu einem überhöhten Preis, zudem gab es häufig kostspielige Wechsel im Management. Ohnehin war die Wall Street mit dem Erben nie ganz zufrieden: Der Aktienkurs ist seit 1994 nur halb so viel gestiegen wie der vergleichbarer Medienkonzerne. Mit der Ankündigung der Fusion stieg der Wert der Familienanteile jedoch auf 6,8 Milliarden Dollar.

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