Wirtschaft : Volkswagen: Strategien gegen eine Übernahme

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Die letzte Etappe des Ferdinand Piëch beginnt heute in Hamburg. Auf der Hauptversammlung erläutert der VW-Vorstandsvorsitzende den Aktionäre seine Pläne für die kommenden zwölf Monate; in einem Jahr, bei der nächsten Hauptversammlung und pünktlich zum 65. Geburtstag, wechselt Piëch dann voraussichtlich in den Aufsichtsrat. Heißester Kandidat für die Nachfolge an der VW-Spitze ist der frühere BMW-Chef Bernd Pischetsrieder. Nachdem der wegen des missglückten Engagements bei Rover bei BMW abtreten musste, heuerte ihn Piëch in Wolfsburg an. Derzeit ist Pischetsrieder im VW-Vorstand zuständig für die konzernweite Qualitätssicherung und die spanische Tochter Seat.

Piëch will einen profitablen und vor allem selbstständigen Konzern hinterlassen. "Ich sehe es als meine Aufgabe an, vor meinem Ausscheiden dafür zu sorgen, dass - mit oder ohne VW-Gesetz - niemand den Konzern schlucken kann, ohne daran zu ersticken", sagte Piëch vor kurzem in der "Wirtschaftswoche". Er hat Angst vor einer feindlichen Übernahme, vor der bislang die besondere Stellung des Großaktionärs Niedersachsen (19 Prozent) schützte. Nun schießen die Spekulationen ins Kraut. Finanzvorstand Bruno Adelt orakelte, Börsengänge der Tochter Audi oder der Sparte Finanzdienstleistungen seien nicht ausgeschlossen. In jedem Fall sollen Kapitalmaßnahmen, die heute von der Hauptversammlung gebilligt werden, Piëchs Abwehrstrategie stärken. Der Vorstand will weitere zehn Prozent der Aktien zurückkaufen und das Kapital bis 2006 um 130 Millionen Euro erhöhen. Bereits im vergangenen Jahr hatte VW zehn Prozent eigener Aktien erworben; mit dem erneuten Rückkaufvolumen hätte VW dann eine "Akquisitionswährung" im Wert von zehn Milliarden Mark für Beteiligungen oder Übernahmen. Weiter Allianzen oder Töchter, so Piëchs Kalkül, machen VW für einen potenziellen Übernehmer zu groß, zu unübersichtlich und also schwer verdaulich.

Doch es gibt zunehmend Widerstand unter den Aktionären. Ein Aktienfonds mit Sitz auf den Bermudas fordert vom VW-Vorstand, beim geplanten Aktienrückkauf nur Vorzugsaktien zu erwerben. Die Vorzüge kosten an der Börse rund 20 Euro weniger als die Stammaktien. Nach Angaben des Fonds wurden beim vergangenen Aktienrückkaufprogramm von VW nur Stammaktien erworben. Im Vergleich zum Kauf von Vorzugsaktien seien 1,8 Milliarden Mark mehr ausgegeben worden. Der Fonds hat nach eigenen Angaben rund 50 Millionen Euro in VW-Vorzugsaktien angelegt. Stammaktien sind auf der Hauptversammlung stimmberechtigt, Vorzugsaktien in der Regel nicht. VW lehnt den Rückkauf der Vorzüge ab, weil die stimmrechtslosen Papiere nicht als "Akquisitionswährung" eingesetzt werden können. Die Fondgesellschaft der Volksbanken, Union Invest, kritisiert indes, dass VW mit Vorzügen und Stämmen an zwei Aktiengattungen festhält und damit dem Prinzip "Eine Aktie, ein Stimmrecht" widerspreche. Die Hypovereinsbank plädiert für einen Umtausch der VW-Vorzüge in Stämme; das könne den Kurs um zehn bis zwölf Prozent nach oben treiben. Aber ansonsten ist die Hypovereinsbank eher skeptisch für VW und hält ein Kursziel von 52 Euro in diesem Jahr für realistisch (Kurs am Mittwoch: gut 60 Euro). "Die Wettbewerbsintensität, die abschwächende Branchenkonjunktur und der anstehende Führungswechsel bei VW belasten 2001 und 2002", schreibt die Bank in einer Analyse.

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