Wirtschaft : Vom Lob der Unbescheidenheit

Regisseur Florian Graf Henckel von Donnersmarck erzählt Unternehmern, wie man Erfolg hat und was ein gutes Geschäft ist

Moritz Döbler

Berlin - Nur eine Frage richtete Jürgen Thumann ganz am Ende an den Ehrengast aus Hollywood. „Warum haben Sie Deutschland denn verlassen“, wollte der Industriepräsident vom deutschen Oscar-Preisträger Florian Graf Henckel von Donnersmarck wissen, während sich die Gäste schon für die Spezereien von Starkoch Alfons Schuhbeck zu interessieren begannen. „Ich kann auf so viel höherem Niveau in Amerika arbeiten“, entgegnete der 34-Jährige. „Es wäre ein selbstverzehrender Patriotismus gewesen, hier zu bleiben.“ Das war nicht ganz die Botschaft, für die der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) auf seinem Mittelstandstag warb, und doch stieß der Regisseur auf Begeisterung bei den rund 200 versammelten Unternehmern.

„Wir sind Oscar: Über den festen Willen zum Erfolg“ lautete sein Vortrag – ein eindringliches Lob der Unbescheidenheit. „Ist nicht Bescheidenheit im beruflichen Kontext etwas Furchtbares?“ fragte der über zwei Meter große Referent unter zustimmendem Gelächter des Publikums und erzählte von den Mühen, für seinen ersten Spielfilm „Das Leben der Anderen“ ein Millionenbudget zusammenzukratzen. „Ich hatte alles genau visualisiert: von den Schauspielern, mit denen ich arbeiten wollte, bis hin zum Oscar.“ Man müsse groß denken, und man dürfe sich für Erfolg nicht schämen, auch wenn das in Berlin häufig anders gesehen werde.

Unbescheidenheit von Anfang an, das gefiel. Die härtere Wahrheit, dass man auf die eigene Würde nicht viel geben dürfe, wenn man es wirtschaftlich zu etwas bringen wolle, ging dabei etwas unter. Kein Nein zu akzeptieren, das habe er sich von den Autoscheibenputzern am Großen Stern abgeschaut und schamlos perfektioniert. Von Leidenschaft im Job halte er dagegen gar nichts. „Das Berufliche ist viel zu wichtig, als dass man es einer Leidenschaft überlassen sollte.“

Der adlige Managersohn war für den Abend extra eingeflogen worden. „Als ich meinen Eltern erzählte, dass ich hier sprechen würde, waren sie mehr beeindruckt als vom Oscar und all dem anderen Kram“, scherzte er zum Aufwärmen. Die Unternehmer ließen sich ebenfalls beeindrucken von diesem weltläufigen Charme und auch von den Zahlen. „Für 20 000 Euro hätte jeder Verleih den Film haben können, der jetzt 70 Millionen Euro eingespielt hat“, berichtete Donnersmarck. Mancher Verleiher habe sich inzwischen dafür entschuldigt, damals nicht zugegriffen zu haben, aber da gebe es nur eine Antwort: „Entschuldigen Sie sich nicht bei mir, entschuldigen Sie sich bei Ihren Aktionären.“ Moritz Döbler

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