Wirtschaft : Von Barren und Münzen

Der Krügerrand profitiert von der hohen Nachfrage nach Gold

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Kapstadt - Die alte Stanzmaschine in der Rand Refinery im Südwesten von Johannesburg kann mit der Nachfrage kaum mithalten: Seit mehr als 40 Jahren werden hier neben Goldbarren auch die Rohlinge für den weltberühmten Krügerrand produziert – die bekannteste Goldmünze der Welt. Allein für die Monate bis zum Jahresende liegen dem Unternehmen, das fast das gesamte südafrikanische Gold verarbeitet, Bestellungen für Hunderttausende neuer Krügerränder vor. Und täglich steigt die Zahl der Bestellungen – ähnlich wie der Goldpreis, der seit Wochen von Rekord zu Rekord eilt, auch wenn er zuletzt etwas nachgelassen hat. Besonders groß sei die Nachfrage aus Deutschland, sagt Debra Thomson, Schatzmeisterin des Unternehmens. Einzelne Banken würden gleich mehrere tausend Münzen bestellen, um für den weiteren Ansturm auf das Edelmetall gewappnet zu sein.

Seit ihrer Gründung vor 90 Jahren sind in der Fabrik bei Germiston mehr als 40 000 Tonnen Gold veredelt worden, ohne dass es zu Diebstählen kam. Dies liegt zum einen an den fast lückenlosen Sicherheitsvorkehrungen, zum anderen daran, dass das Gold nicht auf einen Schlag, sondern bis zu viermal am Tag eingeflogen wird – nach geheimen Flugfrequenzen und auf speziell ausgesuchten Routen. Die Raffinerie selbst gehört den großen südafrikanischen Goldförderern. Damit soll gewährleistet werden, dass die Konzerne das von ihnen geförderte Metall auch im eigenen Land veredeln.

Zum Zeitpunkt der Anlieferung aus den Bergwerken liegt der Goldgehalt bereits bei rund 80 Prozent – ein erster Veredlungsprozess hat zuvor in den Minen stattgefunden. Nachdem das Edelmetall in der Rand Refinery weiterverarbeitet worden ist und einen Reinheitsgehalt von mindestens 99 Prozent erreicht hat, wird es entweder in Barren gegossen – oder als Rohling für den Krügerrand gestanzt. Die Prägung selbst erfolgt allerdings wie bisher bei der staatlichen Münzanstalt.

Heute wird nur noch die Hälfte des hier verarbeiteten Goldes aus Minen in Südafrika herangeflogen, da die Förderung der Bergwerke am Kap wegen ihrer enormen Tiefe und der hohen Kosten kontinuierlich sinkt. Allein der Strompreis hat sich in Südafrika seit 2005 fast vervierfacht. Aber auch die Lohnkosten, die etwa die Hälfte zu den Gesamtkosten beisteuern, sind förmlich explodiert und gerade erst wieder um zehn Prozent gestiegen – bei einer Inflationsrate von knapp fünf Prozent. Kein Wunder, dass die Förderung unter diesen Umständen von einst 1000 Tonnen (1970) auf weniger als 200 Tonnen (2010) gefallen ist – den tiefsten Stand seit mehr als 100 Jahren! Die andere Hälfte stammt aus anderen afrikanischen Staaten, vor allem aus Tansania sowie Ghana und Mali, wohin Südafrikas große Förderer inzwischen wegen der hohen Kosten im eigenen Land expandieren. Selbst die Öffnung alter Schächte ist jetzt noch wenig lukrativ, auch wenn dies vereinzelt erwogen wird, etwa in den alten Schürfgebieten um Barberton, 250 Kilometer südwestlich von Johannesburg.

Der große Nutznießer des jüngsten Goldbooms ist bislang vor allem der Krügerrand. Serienmäßig und in größeren Mengen wird die Münze seit 1970 hergestellt. Seitdem sind in der Rand Refinery fast 50 Millionen Taler gestanzt worden. Die Rand Refinery ist über den unglaublichen Run auf den Krügerrand selbst ein wenig verblüfft. Noch Anfang vergangenen Jahres schien die Nachfrage etwas abzukühlen. Doch vor allem die noch ungelöste Euro-Krise hat regelrechte Panikkäufe ausgelöst.

Ein Grund für den Boom liegt im Wunsch der Investoren, sich abzusichern und in der Sorge, das Papiergeld könne massiv an Wert verlieren. Seit dem Höhepunkt der Finanzkrise vor drei Jahren hat die Nachfrage nach Goldmünzen aller Art weltweit angezogen. Gold kostete damals weniger als 800 Dollar je Feinunze (rund 31 Gramm). Ihren vorläufigen Höchstpreis erreichte die Feinunze vergangenen Dienstag: Da kostete Gold kurzzeitig 1920,25 Dollar. Am Freitag geriet der Goldpreis jedoch wieder unter Druck. Die Feinunze lag nur noch bei 1855,50 Dollar. Anleger befürchten zunehmend, dass der Preis nun übertrieben sein könnte.

Die Entwicklung der Münzverkäufe weckt in Südafrika gute Erinnerungen: Zwischen 1974 und 1984, also zur Zeit der Ölkrise und der dadurch ausgelösten Geldentwertung, war der Krügerrand noch stärker gefragt als heute. So wurden damals pro Jahr zwischen zwei und sechs Millionen Stücke produziert. Trotz der stark gestiegenen Nachfrage dürften solche Zahlen zumindest kurzfristig (noch) nicht erreicht werden.

Faszinierend ist dabei das Wechselspiel zwischen Barren und Münze: Steigt die Nachfrage nach Krügerrand, geht der Bedarf der hier ebenfalls hergestellten Goldbarren schlagartig zurück. Dies liegt daran, dass die Schmuckindustrie, die vor allem in Indien Barren nachfragt, in solchen Zeiten auf alte Bestände zurückgreift – oder auf andere Materialien ausweicht. Für die Rand Refinery ist dies von Vorteil, da sie bei Münzen einen höheren Aufschlag auf den aktuellen Goldpreis in Rechnung stellen kann als bei Barren. Je nach Auftragshöhe sind es zwischen drei und fünf Prozent. Gegenwärtig ist die Lage günstig. Wegen der hohen Nachfrage zahlen Interessenten für die Münze sogar Aufschläge von mehr als fünf Prozent auf den aktuell bereits hohen Goldpreis. Debra Thomson will sich nicht darauf festlegen, ob die Nachfrage anhält. Der letzte Boom nach der Ölkrise dauerte aber immerhin ein ganzes Jahrzehnt. Doch selbst ein Preisrückschlag, auf den derzeit trotz des stark angezogenen Preises wenig hindeutet, wäre für den Krügerrand wohl kein Problem. Schließlich hat er zur Jahrtausendwende bereits Preise von weniger als 300 Dollar pro Feinunze erlebt – und dennoch überlebt. Wolfgang Drechsler

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