Vor dem Euro-Gipfel : Spürbare Verunsicherung

Vor dem Euro-Gipfel am Donnerstag bringen Anleger ihr Kapital in Sicherheit – und kaufen Gold und deutsche Anleihen.

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Gold ist teuer, aber sicher.
Gold ist teuer, aber sicher.Foto: dpa

Berlin - Auf der Suche nach sicheren Anlagen für ihr Kapital sind Investoren auch am Montag auf dem Gold- und Anleihemarkt fündig geworden. Der Preis für eine Feinunze des Edelmetalls kostete am späten Abend 1605 Dollar – zum ersten Mal sprangen die Notierungen wegen der großen Nachfrage damit über die Marke von 1600 Dollar. Auch die als solide geltenden deutschen Staatsanleihen wurden gekauft, spanische und italienische Bonds stattdessen gemieden. Der Schweizer Franken erwies sich erneut als Fluchtwährung, zu Lasten von Euro und Dollar. Der Kurs der europäischen Gemeinschaftswährung rutschte bis zum späten Abend nur sehr leicht ab auf 1,4118 Dollar, nachdem er bereits am Freitag die Veröffentlichung des Stresstests der europäischen Banken unbeschadet überstanden hatte. Währungsexperten erklären die relative Stabilität des Euro mit der Schuldenkrise in den USA, die den Dollar schwäche. „Ohne das US-Schuldendrama wäre der Euro sicher näher an der Parität zum Dollar“, sagte ein Börsianer.

Der Preissprung beim Gold wird als klares Indiz für die Verunsicherung der Investoren wenige Tage vor dem nächsten Euro-Gipfel am Donnerstag gewertet. Denn: „Das Edelmetall wird physisch zu dieser Jahreszeit sonst kaum nachgefragt“, sagte Ole Hansen, Rohstoffexperte bei der Saxo Bank. „Solange aber die makroökonomischen Daten weiterhin für Gold sprechen, gehen wir davon aus, dass sich die Rallye über das Jahr hin fortsetzen wird.“ Der Goldpreis ist in den vergangenen zwölf Monaten um knapp 40 Prozent gestiegen, seit Ende 2008 – dem Beginn der Finanzkrise – hat er sich verdoppelt. Die Schuldenkrise halte „mit all ihren Ansteckungsgefahren den Goldmarkt fest im Griff“, hieß es am Montag in einer Einschätzung der Dekabank. Goldhändler berichteten von einer lebhaften Nachfrage: „In den vergangenen fünf Tagen haben wir Gold im Wert von mehr als 21 Millionen Euro verkauft, in der Woche zuvor waren es etwa acht Millionen Euro“, teilte das Handelshaus Pro Aurum mit.

Proteste in Griechenland
18./19. Juli 2011: In ganz Griechenland streiken die Taxi-Fahrer für 48 Stunden. Wie hier auf Kreta arten die Proteste vereinzelt in Gewalt aus.Weitere Bilder anzeigen
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19.07.2011 10:0718./19. Juli 2011: In ganz Griechenland streiken die Taxi-Fahrer für 48 Stunden. Wie hier auf Kreta arten die Proteste vereinzelt...

Was die Investoren besonders verunsichert, ist die festgefahrene Situation im Fall Griechenland. Bis zum Krisengipfel am Donnerstag sollen die Eckpunkte des zweiten Hilfspakets für das hoch verschuldete Land stehen. Dann soll auch klar sein, ob und wie die privaten Gläubiger beteiligt werden. Diverse Vorschläge, die auf dem Tisch liegen (siehe unten), laufen de facto auf eine Umschuldung hinaus. Werden dabei private Gläubiger beteiligt, sprechen die Ratingagenturen allerdings von einem teilweisen Zahlungsausfall. Die Europäische Zentralbank (EZB) wiederum akzeptiert keine Anleihen von bankrotten Ländern als Sicherheit. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet wiederholte seine Warnung vor einer fatalen Kettenreaktion durch einen Zahlungsausfall Griechenlands. Er kritisierte zugleich das Krisenmanagement der Regierungen und forderte eine Verbesserung der „verbalen Disziplin“.

Die Forderungen nach einem klaren Schuldenschnitt in Griechenland werden indes zahlreicher: „Der EU-Gipfel muss nun endlich eine gemeinsame Position beziehen, an deren Ende die Umschuldung Griechenlands steht“, sagte am Montag der Wirtschaftsweise Lars Feld. „Die Finanzmärkte dürfen jetzt nicht wieder beunruhigt werden durch eine Kakophonie unterschiedlicher Botschaften.“

Am Rentenmarkt führte die Verwirrung zu starken Kurs- und Renditeausschlägen. Die spanischen Renditen sprangen im Vergleich zum Freitag von 6,1 auf 6,37 Prozent, die italienischen von 5,8 auf 6,04 Prozent. Damit wird die Refinanzierung für die Regierungen in Rom und Madrid immer teuerer. Steigen Anleiherenditen auf mehr als sieben Prozent, sprechen Experten von einer für die Staaten nicht mehr tragfähigen Zinslast. Im Gegenzug fiel die Rendite der deutschen zehnjährigen Anleihe am Montag von 2,7 auf 2,64 Prozent.

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