Vor der Sitzung der EZB : Dax mit neuem Rekord

Die Börse hofft auf eine erneute Geldschwemme durch die Europäische Zentralbank. Die EZB kämpft gegen den Preisverfall in der Euro-Zone. Gefühlt ist der aber auch in Deutschland längst da.

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Gute Stimmung an der Börse. Der Dax ist wieder auf Rekordjagd.
Gute Stimmung an der Börse. Der Dax ist wieder auf Rekordjagd.Foto: dpa

Jubelstimmung an der Börse, Sorgen bei der deutschen Wirtschaft – die Europäische Zentralbank (EZB) spaltet die Wirtschafts- und Finanzszene. Während der Deutsche Aktienindex am Montag in der Hoffnung auf noch mehr billiges Notenbank-Geld vorübergehend auf ein Allzeithoch von 10293 Punkten sprang, sehen Wirtschaftsverbände der nächsten EZB-Ratssitzung am Donnerstag mit Bangen entgegen.
„Die Märkte haben schon reagiert – der niedrige Euro-Wechselkurs ist auch eine Folge des signalisierten Staatsanleihenkaufs“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertags, Martin Wansleben. Auch die Familienunternehmer sprachen von einer „schlechten Idee“, Staatsanleihen zu kaufen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gab sich dagegen am Montag betont gelassen. „Ich würde nicht von einer Schicksalswoche für den Euro sprechen“, sagte die CDU-Chefin mit Blick auf die EZB-Ratssitzung und die Wahl in Griechenland. Sie habe immer wieder gesagt, dass die Eurokrise nicht völlig überwunden sei, betonte Merkel.
Die EZB wird am Donnerstag voraussichtlich den Kauf von Staatsanleihen im Volumen von Hunderten Milliarden Euro beschließen, Händler rechnen mit 600 Milliarden Euro bis hin zu einer Billion. Das Programm soll Banken bewegen, ihre Staatsanleihen abzustoßen und stattdessen mehr Kredite zu vergeben. Das soll die schleppende Konjunktur ankurbeln und einen Preisverfall auf breiter Ebene in der Euro-Zone verhindern.
Die EZB strebt eine Inflationsrate von knapp zwei Prozent an. Im Dezember waren die Lebenshaltungskosten in der Euro-Zone aber erstmals seit fünf Jahren gefallen – um 0,2 Prozent. Die Deutsche Bundesbank schließt nicht aus, dass auch in Deutschland die Verbraucherpreise wegen des billigen Öls vorübergehend sinken könnten, heißt es im jüngsten Monatsbericht. Bislang rechnet die Bundesbank mit einer Inflationsrate von 1,1 Prozent für 2015 und von 1,8 Prozent für 2016 in Deutschland.

Gefühlte Inflation im Minusbereich

In der Wahrnehmung der Verbraucher ist die negative Inflation aber bereits jetzt schon Realität. Die von der Großbank Unicredit ermittelte gefühlte Inflation rutschte im Dezember auf minus 1,2 (November: null) Prozent ab, während die offiziellen Daten des Statistischen Bundesamtes im Weihnachtsmonat noch einen Preisanstieg von 0,2 Prozent ausweisen. „Hinter dem stärksten Rückgang seit Oktober 2009 stecken die deutlich billiger gewordenen Kraftstoffe“, sagte der Deutschland-Chefvolkswirt der Bank, Andreas Rees. „Aber auch Lebensmittel sind günstiger geworden.“ Sprit und Nahrungsmittel werden von den Verbrauchern regelmäßig gekauft. Ihnen fallen Preisveränderungen hier daher viel stärker auf als bei selten angeschafften Waren wie Möbeln und Computer.
Aber was erwartet Anleger und Händler am Donnerstag genau? Derzeit kursieren verschiedene Szenarien, was die EZB tun könnte:
Variante eins: Die EZB kauft selbst massenhaft Anleihen auf und nimmt das Risiko in ihre Bücher. Kritiker befürchten, dass bei diesem Szenario solide wirtschaftende Länder am Ende für Krisenstaaten haften müssen.
Variante zwei: Die nationalen Notenbanken übernehmen den Kauf und damit das Risiko. Bei diesem Modell verbliebe das Risiko bei den einzelnen Staaten. Die EZB würde in diesem Fall den Beschluss fassen, dass die Zentralbanken von Portugal bis Finnland Papiere erwerben können und ihnen dafür ein Limit setzen.
Variante drei: Ein Mix aus Ankäufen der EZB und der nationalen Notenbanken. Die EZB würde nur einen Teil der Ankäufe übernehmen und es den nationalen Notenbanken überlassen, bis zu einem gewissen Limit auf eigenes Risiko am Markt aktiv zu werden. Möglich wäre zudem, dass die Notenbanken nur Papiere ihres Heimatlandes kaufen, im Fall der Bundesbank also nur deutsche Staatsanleihen. Das würde das Ausfallrisiko für die Bundesbank praktisch ausschließen. mit rtr

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