Wirtschaft : Vorbild Montanunion

NAME

Das Pariser Abkommen zur Gründung der europäischen Montanunion von 1952 ist in der Nacht zum 24. Juli sanft entschlafen. Das Dahinscheiden der Montanunion fällt aber kaum auf, da ihre Rolle schon vor langem in Europas weit größerem und weiterreichenden gemeinsamen Markt aufgegangen ist. Doch die Argumente, die zur Gründung der Montanunion führten, haben nach wie vor Gültigkeit.

Stahl ist Dank George W. Bushs schlechter Entscheidung, Zölle einzuführen, mal wieder in den Nachrichten. Stahl hat spätestens seit der industriellen Revolution eine Sonderstellung, da er für die Waffenherstellung von zentraler Bedeutung ist. Deswegen wurden Stahl und Kohle als zu wichtig für die Mächte Europas angesehen, um darum Wettbewerb zu treiben - oder Krieg zu führen. Und so beschlossen sechs europäische Länder den Freihandel in diesen beiden Bereichen. Damals wie heute gab es die üblichen Diskussionen um Souveränität und nationale Sicherheit. Aber die EU war immer am besten, wenn sie diese Unstimmigkeiten ignoriert und Märkte geöffnet und ihre Mitglieder zum Handel ermutigt hat.

Natürlich stellt sich noch immer die Frage nach Souveränität. Insgesamt jedoch haben es die EU-Mitglieder mit dem Gemeinsamen Markt erreicht, sich zu gemeinsamen Einrichtungen durchzuringen. Die Montanunion war die erste davon und hat von Anfang an die Einsicht widergespiegelt, dass Schüsse die Grenzen überqueren werden, wenn es die Waren nicht tun. Europas löblicher Entschluss, Sanktionen im Stahlhandel abzuschaffen, zeigte den Willen, langfristig zu denken.

Aber anderswo, besonders in der Landwirtschaft, war die EU zu behutsam. Wie vieles in Europa, war die gemeinsame Agrarpolitik ein Kompromiss. Die Kosten dieses Kompromisses fressen heute die Hälfte der 90 Milliarden Euro an Steuern, die die Europäer jährlich zahlen, auf. Leider hat die gemeinsame Agrarpolitik kein Auslaufdatum, wie die Montanunion.

Das Ende eines Abkommens, das geholfen hat, aus Europa eine sicherere, reichere Region zu machen, ist es wert, einen Moment innezuhalten. Hoffentlich ist es nicht mehr allzu lang, bis wir der gemeinsamen Agrarpolitik Adieu sagen können.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben