Wirtschaft : Vorsprung in Berlin

Die weltgrößte Mercedes-Niederlassung lässt BMW und Audi hinter sich – und will noch stärker wachsen.

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Flaggschiff. Am Salzufer bespielt die Mercedes-Niederlassung ihren spektakulären Glaspalast auch mit Kultur-Events. Foto: Mike Wolff
Flaggschiff. Am Salzufer bespielt die Mercedes-Niederlassung ihren spektakulären Glaspalast auch mit Kultur-Events. Foto: Mike...

Berlin - Verkehrte Welt bei Daimler: Während der Automobilkonzern insgesamt BMW und Audi im Pkw-Geschäft bei Umsatz, Absatz und Rendite hinterherfährt, glänzt Mercedes in Berlin mit der Poleposition. 2011 kam die Marke mit dem Stern hier nach eigenen Angaben auf einen Marktanteil von 13,9 Prozent – BMW auf 7,1 Prozent, Audi auf 6,6 Prozent. Mit einem strahlenden Lächeln präsentierte Niederlassungleiter Walter Müller deshalb am Dienstag die Ergebnisse des Geschäftsjahres 2011 – „beeindruckende Rekordzahlen, die einen überaus deutlichen Vorsprung vor den direkten Wettbewerbern im Berliner Markt ausweisen“, wie er sagte. Nicht fehlen durfte da ein Hinweis auf den vergangenen Sonntag, als Nico Rosberg für das Mercedes- Werksteam den ersten Formel-1-Sieg seit 1955 einfuhr. Schlagzeilen, die Mercedes durchaus brauchen kann, wenn man die scharfen Töne noch im Ohr hat, die die Großaktionäre des Stuttgarter Konzerns jüngst bei der Hauptversammlung in Berlin angeschlagen hatten.

In Berlin, der am Umsatz gemessen weltgrößten Mercedes-Niederlassung mit 1430 Mitarbeitern, ist die Stimmung besser. 10 964 Neuwagen und 10 260 Gebrauchte hat der Hersteller 2011 nach Angaben des Kraftfahrtbundesamtes (KBA) hier verkauft. So viele wie BMW und Audi zusammen (siehe Grafik), wie Walter Müller betonte. Rechnet man die neu zugelassenen Smarts (1938) sowie Nutzfahrzeuge und Transporter hinzu, setzte Daimler 2011 mehr als 27 000 Fahrzeuge an der Spree ab. Das Ende 2009 in Neukölln/Treptow-Köpenick eröffnete Daimler-Nutzfahrzeugzentrum, wo 2011 auch ein Pkw-Jahreswagenzentrum etabliert wurde, schreibt den Angaben zufolge schwarze Zahlen.

Viel mehr zum Umsatz, Gewinn und zur Rendite verriet Müller auch auf Nachfrage nicht. Die Stuttgarter Zentrale will das so. „Wir haben gutes Geld verdient, deutlich schwarze Zahlen geschrieben und die Ertragskraft unseres Unternehmens weiter ausgebaut“, sagte er lediglich. Von Stuttgart subventioniert werde die Niederlassung nicht. „Wir tragen im Gegenteil zum guten Ergebnis des Konzerns bei“, sagte Müller. Der versorgt über die Berliner Niederlassung auch Botschaften, Bundesbehörden, Ministerien und die eigene Vertriebszentrale für Deutschland – was sich auch in den überdurchschnittlichen Neuzulassungszahlen bemerkbar macht.

Nach 15 Jahren im Amt will Walter Müller noch einmal beschleunigen: Bis Ende kommenden Jahres soll der Absatz von Neuwagen in Berlin um 20 Prozent gesteigert werden – nach fünf Prozent im Rekordjahr 2011 ein ambitioniertes Ziel. „2012 hat schon sehr vielversprechend begonnen“, sagte Müller. Der gesamte Berliner Automarkt war im vergangenen Jahr um zehn, das Premiumsegment um sechs Prozent gewachsen. „Berlin ist ein umkämpfter Markt“, sagte der Mercedes-Chef. „Kein Autovorstand, der sich nicht für den Marktanteil in der Stadt interessiert.“ Aber: Es sei schwieriger als anderswo, mit Investitionen zügig Geld zu verdienen.

Große Hoffnungen setzt Müller auf die neuen Mercedes-Modelle der Kompaktklasse – die A- und B-Klasse –, die neuen oder überarbeiteten Geländewagen sowie den Großflughafen BER. „Dort wird die Musik spielen in den kommenden Jahren“, sagte Müller. Der Daimler-Konzern investiert hier in ein 13 000 Quadratmeter großes Airportcenter, in dem mehr als 100 Ausstellungsfahrzeuge permanent zu sehen sein sollen, sowie in Servicepoints direkt am Flughafen, an denen der Autobauer einen Hol- und Bringdienst für Mercedes-Kunden anbieten wird.

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