Wirtschaft : Vorstände sollen auch ihre Pensionen offen legen

Rolf Obertreis

Frankfurt am Main - Trotz des Drucks der Bundesregierung sind die Vorstände deutscher Konzerne nur zögerlich bereit, ihre Gehälter individuell offen zu legen. Mit Post, Telekom und RWE haben nach Angaben der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) zuletzt nur drei Unternehmen diesen Schritt angekündigt, nachdem bislang erst sechs Firmen die Bezüge aufgeschlüsselt nennen. DSW-Geschäftsführer Ulrich Hocker forderte auch eine vollständige Transparenz mit allen Details, einschließlich Spesen oder Pensionsansprüchen. Er kritisierte vor allem Infineon, Münchner Rück und Bayer: Obwohl das Ergebnis je Aktie bei diesen Unternehmen negativ war, sind die Gehälter der Top-Manager weiter gestiegen.

Im Schnitt erhielt ein Vorstand eines Dax-30-Unternehmens 2003 Bezüge in Höhe von 1,42 Millionen Euro, elf Prozent mehr als 2002. Die Bezüge stiegen damit nicht so stark wie die Gewinne, die um 30 Prozent zulegten. „Insofern scheinen die Mechanismen der erfolgsabhängigen Bezahlung durchaus zu funktionieren“, sagt Hocker. Den größten Gehaltssprung gab es mit 147 Prozent bei SAP. Das Ergebnis pro Aktie war nur um 113 Prozent gestiegen. Der legte um 281 Prozent zu. Die größten Gehaltseinbußen mussten die Vorstände der Lufthansa hinnehmen, nachdem der Konzern in die roten Zahlen gerutscht war.

Die DSW fordert, dass die Vorstände auch ihre Pensionsansprüche publizieren müssen: Wer nur fünf Jahre am Ruder ist, bekomme in der Regel schon 30 Prozent des letzten Fix-Gehalts als Pension. Wer länger an der Spitze steht, kann nach Angaben von Hocker auf bis zu 70 Prozent kommen. Einfache Vorstandsmitglieder erhalten so eine Pension von bis zu 700 000 Euro pro Jahr.

Immerhin denken nach Angaben der DSW mit Commerzbank, Eon, MAN, Schering und Tui fünf weitere der großen deutschen börsennotierten Unternehmen daran, die Bezüge detailliert offen zu legen. Auch damit wäre die Forderung der Justizministerin nicht erfüllt. Sie verlangt, dass bis Mitte 2005 mindestens 70 Prozent der 30 im Deutschen Aktienindex gelisteten Unternehmen für Transparenz sorgen.

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