Wirtschaft : Vorstand von Infineon tritt zurück

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München Ein Korruptionsskandal erschüttert den Chiphersteller Infineon. Am Samstagabend trat Vorstand Andreas von Zitzewitz überraschend zurück. Gegen ihn ermittelt die Münchner Staatsanwaltschaft, weil er Bestechungsgelder einer Schweizer Beratungsfirma bekommen haben soll. Neben VW ist Infineon damit der zweite deutsche Konzern, der derzeit wegen Schmiergeldzahlungen Schlagzeilen macht.

Bereits am Freitag hatten Fahnder die Infineon-Zentrale in München sowie Privathäuser durchsucht. Im Visier der Staatsanwälte stehen dabei neben Zitzewitz auch der frühere Infineon-Manager Harald Eggers sowie Udo Schneider von der Schweizer Beratungsfirma BF Consulting. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen Untreue, Bestechlichkeit und Steuerhinterziehung vor. Dabei geht es offenbar um Zahlungen in sechsstelliger Höhe, die BF Consulting an Zitzewitz und Eggers geleistet haben soll.

Zitzewitz war bei Infineon zuletzt verantwortlich für die Speicherchipsparte, die 40 Prozent des Konzernumsatzes erwirtschaftet. Derzeit bereitet die frühere Siemens-Tochter einen Börsengang dieses Geschäftsfeldes vor, Zitzewitz galt als Favorit für den Chefsessel der Ausgründung. Seinen Rücktritt begründete er damit, dass er das Unternehmen nicht mit der laufenden Untersuchung belasten wolle. „Wir erwarten, dass der Aufsichtsrat diesen Rücktritt annimmt“, sagte Infineon-Chef Wolfgang Ziebart.

Ein Infineon-Sprecher betonte, gegen den Chiphersteller selbst werde nicht ermittelt. Gegebenenfalls müsse Infineon aber prüfen, ob Ansprüche gegen Zitzewitz und Eggers erhoben werden könnten. In Unternehmenskreisen hieß es, Zitzewitz’ Rücktritt sei völlig überraschend, die Vorwürfe seien nicht neu. Schon im Herbst 2004 wurden die Schmiergeldzahlungen erstmals bekannt. jojo/HB

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