Wirtschaft : Vorstandsvorsitzender Sommer prognostiziert Gewinneinbruch in den nächsten beiden Jahren

Die Deutsche Telekom AG wird nach Aussage ihres Vorstandsvorsitzenden Ron Sommer "zwei Jahre brauchen", um den Rückgang der Telefontarife um bis zu 70 Prozent in der Bilanz zu verkraften. "Wir haben Preissenkungen von sieben Mrd. DM an die Kunden weitergegeben", sagte Sommer dem Magazin Stern in einem am Mittwoch vorab veröffentlichten Interview. "Das können wir nicht auf Anhieb durch Kostenabbau oder Mehrtelefonieren verdauen." Das Jahr 1999 werde deshalb für die Telekom "sehr schwer".

Angestrebte Firmenkäufe könnten den Gewinn in den kommenden Jahren vorübergehend sogar auf null drücken, sagte Sommer. "Wenn die Deutsche Telekom als Ganzes eine Firma ihrer eigenen Größe kaufen sollte, was sein kann, werden wir notfalls auch mal ein paar Jahre ohne Gewinn auskommen müssen." Dies sei gegenüber den Aktionären gerechtfertigt, wenn damit die Zukunft des Unternehmens gestaltet werde. "Wir arbeiten an der Steigerung des Firmenwertes, dafür kann man vorübergehend auch weniger Gewinn in Kauf nehmen", sagte Sommer.

Nach einem Vorabbericht der "Wirtschaftswoche" will die Telekom nach dem Kauf der britischen Gesellschaft One-2-One mit 20 Prozent bei Singapore Telecom einsteigen. Der Vorsitzende der Telecom Singapore, Lee Hsien Yang, sagte der "Wirtschaftswoche" zufolge, Telecom Singapore suche "eine Zusammenarbeit mit einem ausländischen Partner", um international weiter mitspielen zu können. Das Unternehmen gehört zu den größten Telefonkonzernen Asiens. Auch in Polen, wo die Regierung 20 bis 35 Prozent der Telekomunikacja Polska verkaufen wolle, plane die Telekom einen Einstieg.

Die Börsengänge von T-Online und des Mobilfunkbereichs will Sommer möglichst im Jahre 2000 verwirklichen, "um Firmenkäufe über Aktientausch finanzieren zu können". Allein das Mobilfunkgeschäft sei mehr als 100 Mrd. DM wert. Hier plane die Telekom neue Prepaid-Angebote für Zielgruppen wie Schulkinder oder deren Eltern.

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