Wirtschaft : VW stellt sein Arbeitsmodell 5000 mal 5000 in Frage

Der neue Microbus wird vermutlich in Hannover nicht von Arbeitslosen gebaut. Stattdessen denkt Personalchef Hartz an Lehrlinge

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Berlin (alf). Die Umsetzung des VWBeschäftigungsmodells 5000 mal 5000 steht wieder zur Disposition. Der Konzern bestätigte am Donnerstag, dass die Einstellung von 1500 Arbeitslosen in Hannover für die Herstellung des neuen Microbus überdacht werde. VW-Personalvorstand Peter Hartz wurde in der „Financial Times Deutschland“ mit den Worten zitiert, „wir könnten Auszubildende dorthin schicken, die sonst nicht übernommen würden“. Das verstößt allerdings „gegen den Sinn der Vereinbarung“ über 5000 mal 5000, wie ein IG-Metall-Funktionär aus Hannover auf Anfrage sagte. Ob und wie die IG Metall nun gegen den mutmaßlichen Vertragsbruch reagiert, blieb am Freitag offen.

VW und IG Metall hatten sich nach langwierigen Verhandlungen 2001 auf das neue Arbeitsmodell geeinigt. Danach stellt VW insgesamt 5000 Arbeitslose zu einem Monatslohn von 5000 Mark (2556 Euro) ein. Im Rahmen des Modells bauen in Wolfsburg seit einem Jahr knapp 3500 Personen den Minivan Touran; vorgesehen sind hier 3500 Arbeitsplätze. Die übrigen 1500 wollte VW bislang im Werk Hannover schaffen, wo nach letztem Stand ab 2006 der Microbus als Nachfolger des VW Bulli für den US-Markt produziert werden soll.

5000 mal 5000 zeichnet sich zum einen durch die Einstellung von Arbeitslosen aus. Aus der Sicht des Unternehmens ist das neue System interessant, weil die Beschäftigten nicht nach Arbeitszeit, sondern nach Leistung bezahlt werden. Für die Herstellung einer bestimmten Zahl Autos zu einer festgelegten Qualität bekommen die Beschäftigten ein so genanntes Programmentgelt. Falls das vorgesehene Programm nicht in der üblichen Arbeitszeit geschafft wird, muss länger gearbeitet werden – unentgeltlich. Ferner gehört die permanente Weiterqualifizierung bei 5000 mal 5000 zu den Besonderheiten, auf die VW-Personalvorstand Hartz besonders stolz ist.

Dass Hartz nun auf Distanz zum zweiten Teil des Modells geht, hängt zusammen mit dem Sparkurs, den VW-Vorstandschef Bernd Pischetsrieder Anfang dieser Woche vorgestellt hat. Danach will der Konzern als Reaktion auf die schwache Nachfrage im Jahr 2005 vier Milliarden Euro weniger ausgeben als noch 2003. VW-Sprecher Stefan Ohlitz sagte am Freitag, „alles kommt auf den Prüfstand“. Allerdings sei der Microbus nicht gefährdet. „Wir stehen dazu und halten daran fest.“ Auch habe sich VW vertraglich verpflichtet, dazu ausschließlich Arbeitslose einzustellen.

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