Wirtschaft : VW will Einheitstarif für den Autokonzern

Gewerkschaft lehnt 35-Stunden-Woche ab

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Berlin/Wolfsburg - VW plant, das Tarifgewirr innerhalb des Konzerns aufzulösen und mit der IG-Metall einen einheitlichen Haustarifvertrag auszuhandeln. Personalvorstand Horst Neumann sagte dem Handelsblatt: „Es gibt bei Volkswagen einen ganzen Flickenteppich von Verträgen. Da blickt keiner mehr durch.“ Von einer Verlängerung der Wochenarbeitszeit auf 35 Stunden hänge auch ab, ob der neue VW Golf im Stammwerk Wolfsburg gebaut werde. Markenvorstand Wolfgang Bernhard sagte in demselben Gespräch, in Wolfsburg sei die Produktion „unter den derzeitigen Bedingungen wirtschaftlich nicht darstellbar“. Man lege aktuell „bei jedem Golf drauf“. Bei einer 35-Stunden-Woche könnten aber „selbst die meisten unrentablen Komponentenbereiche“ gerettet werden, sagte Bernhard.

VW hatte bei den Sondierungsgesprächen mit der Gewerkschaft am Montag angekündigt, die 35-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich durchsetzen zu wollen, um die Kosten zu senken. VW stellt im Zuge der geplanten Neuordnung bis zu 20 000 Arbeitsplätze in Frage – rund ein Fünftel der Belegschaft an den Standorten Wolfsburg, Hannover, Emden, Kassel, Braunschweig und Salzgitter. Allerdings sind Kündigungen wegen des 2004 geschlossenen Tarifvertrags bis 2011 ausgeschlossen. VW versucht deshalb mit Abfindungen möglichst viele Mitarbeiter zum freiwilligen Ausscheiden zu bewegen.

Betriebsratschef Bernd Osterloh will an der kurzen Wochenarbeitszeit festhalten. „Ich sehe im Moment keine Alternative zur Vier-Tage-Woche, da das Unternehmen nicht aufzeigen kann, was mit dem Personal passiert“, sagte er der Nachrichtenagentur Reuters. Das Produktionsvolumen in den sechs westdeutschen Montage- und Komponentenwerken reiche nicht aus, um bei einer längeren Arbeitszeit größeren Stellenabbau zu vermeiden. Genauso äußerte sich die IG Metall. Weil das vorgelegte Konzept von VW „unausgegoren“ sei, will die Gewerkschaft „zum gegenwärtigen Zeitpunkt keine Tarifverhandlungen“ führen, sagte der niedersächsische IG Metall-Chef Hartmut Meine.

Personalvorstand Neumann betonte aber im Interview: „Wir planen die Einführung der 35-Stunden-Woche nicht zu einem bestimmten Zeitpunkt.“ Das Modell solle nur dort angewandt werden, „wo ausreichend Arbeit da ist“. Bernhard sagte: „Wenn sich der jüngste Absatztrend verfestigt, könnte es durchaus zu einem größeren Bedarf kommen.“

Bislang gilt in den westdeutschen Werken die Vier-Tage-Woche mit 28,8 Wochenstunden. Diese Wochenarbeitszeit war Anfang der 90er unter dem damaligen Personalvorstand Peter Hartz mit einem Teillohnausgleich eingeführt worden; so wurde die Entlassung von bis zu 30 000 Beschäftigten vermieden. hof/mab (HB)/alf

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