Wirtschaft : Wackel-Elvis: Und Audi bewegt sich doch

Thomas Magenheim

Audi müsse sich künftig bewegen und weiter entwickeln, hat der Vorstandschef der Konzernmutter Volkswagen, Ferdinand Piëch, jüngst von seiner Luxusmarke verlangt. Da muss Piëch etwas übersehen haben. Denn über eine spezielle Art von Bewegungen bei Audi schwärmt derzeit fast jeder - die des "Wackel-Elvis". "Wir sind überrannt worden", sagt Audi-Sprecher Joachim Cordshagen über die immense Nachfrage nach der Plastik-Puppe.

Ursprünglich sollte die an Armaturenbrett und Windschutzscheibe zu befestigende Figur mit Hüftschwung gar nicht produziert werden. Sie sei als Unikat für einen Werbespot entwickelt worden, um zu veranschaulichen, wie ruckelfrei das Multitronic-Automatikgetriebe von Audi arbeitet, sagt Cordshagen. Binnen weniger Wochen ist der "The Fan" genannte Wackel-Elvis aber zum Kult geworden. Kunden haben Audi solange genervt, bis der Autohersteller die Produktion in Auftrag gab. Bis dato liegen in Ingolstadt für die Weiterentwicklung des Wackel-Dackels über 200 000 Bestellungen vor.

Bis Juli hofft Audi, die Aufträge abgearbeitet zu haben. Jede Woche treffen bei Audi ein paar Tausend Fan-Figuren ein, die sofort vergriffen sind. Als in Ingolstadt vergangene Woche das Gerücht aufkam, bald werde eine neue Lieferung eintreffen, hätten sich vor dem Audi-Accessoire-Shop lange Schlangen gebildet, weiß Cordshagen. "Manche sind um zwei Uhr früh mit Schlafsack gekommen, um nicht leer auszugehen." Bis Ende 2001 rechnen die Ingolstädter mit dem Verkauf von 300 000 Fan-Puppen zum Preis von 16 Mark. Damit verkauft sich der Wackel-Elvis besser als das stärkste Audi-Modell A4. Allerdings habe der PR-Erfolg nun auch die Nachfrage nach Autos gesteigert, sagt Cordshagen. So würden bei Händlern mehr Probefahrten für Audis mit Multitronic-Getriebe verlangt.

Wohl weil Audi selbst Lieferprobleme hatte und die Bestell-Hotline mit der Telefonnummer 0180/500 31 55 häufig zusammenbrach, wollen nun auch andere am Boom teilhaben. So möchte die Münchner EM-TV bald ein ähnliches Produkt verkaufen. "Das Interesse an der Wackelpuppe seitens des Handels ist enorm", heißt es beim Merchandising-Spezialisten. Man könne kein aktuelleres Lizenzprodukt bieten. Audi selbst will den Boom nicht anheizen. "Wir bauen Autos, keine Puppen", stellt Cordshagen klar. Das Aufsehen durch den Spot kommt Audi natürlich nicht ungelegen - in Cannes hat der Spot sogar den silbernen Löwen für Werbefilme eingeheimst. Und in Märkten wie den USA sei die Werbung noch gar nicht angelaufen - vielleicht muss Audi also doch noch seine Pläne ändern.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben