Währungskrieg : Von schwankenden Wechselkursen profitieren

Wie Privatanleger von schwankenden Wechselkursen profitieren können.

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Euro, Dollar, Yen: Welche Währung sich langfristig am stärksten entwickelt, ist heute schwer vorherzusagen. Foto: dpa
Euro, Dollar, Yen: Welche Währung sich langfristig am stärksten entwickelt, ist heute schwer vorherzusagen. Foto: dpaFoto: picture-alliance/ dpa

Berlin - Vor einigen Monaten sah es so aus, als hätten die Gegner der Euroeinführung Recht behalten. Die Verschuldung von Griechenland, Italien, Irland und Portugal hielt die Welt in Atem, der Kurs der Gemeinschaftswährung stürzte unter die wichtige Marke von 1,20 Dollar – fast so tief wie bei der Einführung im Jahr 1999. Experten gingen davon aus, dass man bald nur noch einen Dollar für einen Euro bekommen würde. Doch heute kostet der Euro wieder 1,38 Dollar und manche glauben, dass er noch bis 1,60 Dollar steigen könnte. „Die Stimmung hat sich weltweit gedreht zu einem schwachen Dollar. Die Probleme in der Eurozone werden verdrängt“, sagt DZ-Bank-Analystin Sandra Striffler.

Nicht nur die Amerikaner, auch die Japaner, die am Dienstag den Leitzins auf null gesenkt haben, versuchen, ihre Währungen mit einer expansiven Geldpolitik schwach zu halten. Je schwächer die eigene Währung, desto leichter ist es für die Wirtschaft, Produkte ins Ausland zu exportieren. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet warnt schon vor einem Währungskrieg. Vor allem China wird von aller Welt bedrängt, den Yuan endlich aufzuwerten. Michael Rottmann, Leiter Zins- und Währungsanalyse bei Unicredit, sagt: „Es ist zu befürchten, dass sich der Euro gegenüber Yen und Dollar noch weiter befestigen wird. Das ist schlecht für die hiesige Exportwirtschaft.“ Privatanleger aber können von dem Währungschaos profitieren – wenn sie auf die richtigen Trends gesetzt haben. Wie spekuliert man mit Währungen?

Die einfachste Variante ist ein Währungskonto, das man bei fast jeder Bank eröffnen kann. Hätte man etwa am 1. Januar ein Konto mit 1000 Dollar eröffnet, hätte man dafür 695 Euro bezahlt. Am 1. Juni hätte man die tausend Dollar für 822 Euro verkaufen können. Das wären über 18 Prozent Gewinn. Manche Währungen, wie den brasilianischen Real, kann man allerdings nicht so einfach oder nur mit hohen Gebühren erwerben.

Eine andere Möglichkeit, auf eine Währung zu setzen, ist der Kauf von Staats- oder Unternehmensanleihen in Dollar, Yen oder Renmimbi. Unabhängig von der Wechselkursentwicklung werfen sie auch einen regelmäßigen Zins ab. Eine weitere Möglichkeit der Anlage sind Währungstermingeschäfte. Dabei kann man zum Beispiel heute Euro zum aktuellen Kurs in Dollar tauschen. Die Lieferung erfolgt aber erst später. Sollte der Dollar bis dahin wieder steigen, hätte man einen Gewinn gemacht. „Das ist reine Spekulation. Wenn es nicht so läuft, wie ich heute erwarte, zahle ich drauf“, sagt Klaus Metzke, Leiter des Privatkundengeschäfts der Berliner Niederlassung von HSBC Trinkaus. Anleger könnten die Währungstermingeschäfte auch nutzen, um andere Geschäfte abzusichern. „Wenn ich viele Aktien aus dem Dollar- Raum halte, kann ich mich mit Termingeschäften gegen einen fallenden Dollar absichern“, erklärt Metzke.

Währungsgeschäfte werden auf speziellen Plattformen abgewickelt. Experten schätzen, dass jeden Tag vier Billionen Dollar auf dem Devisenmarkt umgesetzt werden. Privatanleger müssen entweder über ihre Bank gehen, die dafür natürlich Gebühren verlangt. Oder sie nutzen spezielle Plattformen für Privatanleger. Eine davon heißt eToro. Auf der Webseite www.etoro.com kann man nicht nur mit Währungen, sondern auch mit Rohstoffen handeln. 1,5 Millionen Mitglieder haben sich seit dem Start im Jahr 2007 registriert, 50 000 davon handeln regelmäßig. Auf eToro kann man den Handel auch ohne Geld simulieren, um zu lernen. Hilfreich ist, dass man auf der Plattform alle Handelsschritte der anderen Mitglieder nachvollziehen kann.

Werner Eppacher, Leiter der Abteilung Währung bei der DWS, der Fondsgesellschaft der Deutschen Bank, rät Privatanlegern davon ab, selbst auf Währungen zu zu spekulieren. „Im Moment ist es schwierig, langfristige Trends auszumachen. Die Wechselkurse entsprechen nicht unbedingt den Fundamentaldaten der jeweiligen Länder, sondern werden gesteuert durch politische Ereignisse.“ Und diese Bewegungen seien eher kurzfristig. „Für Privatanleger ist das schwer zu durchschauen. Wer in Fremdwährungen investiert, muss sich des Risikos bewusst sein“, sagt Eppacher. Die DWS bietet mit dem „DWS Invest Income Strategy Currency“ einen Fonds an, der in Geldmarktpapiere und zusätzlich in Währungsderivate investiert. Seit Auflegung 2007 lag die Perfomance 1,8 Prozent pro Jahr über dem Geldmarktzins.

Derivate sind eine weitere Möglichkeit für Privatanleger, an Währungsschwankungen zu verdienen. Eines davon ist die „Renminbi Kapitalschutz Anleihe“ der Royal Bank of Scotland. Die Anleger partizipieren eins zu eins von Kursgewinnen des Renminbi gegenüber dem Dollar. Das Wechselkursrisiko des Euro gegenüber dem Dollar ist abgesichert. Zinsen gibt es keine. Wenn die Kurswette nicht aufgeht, bleibt für den Anleger nur sein Einsatz übrig. Mehr verlieren kann er nicht, denn die Anleihe ist mit einem Kapitalschutz zum Laufzeitende (Mai 2015) ausgestattet – solange die Bank nicht pleitegeht. „Wechselkursentwicklungen sind so komplex, dass es für private Anleger fast unmöglich ist, sie richtig einzuschätzen. Mit der Renminbi Kapitalschutzanleihe verlieren sie aber wenigstens kein Geld“, urteilt Stiftung Warentest. Auch Klaus Metzke rät seinen Kunden von jeder Spekulation ab: „Wenn es langfristige Trends gibt, spricht nichts dagegen, daran mitzuverdienen. Wir spekulieren aber nicht mit Währungen. Und im Moment scheint der Währungsmarkt sehr volatil zu sein.“

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