Wall-AG-Chef : "Wowereit verkauft Berlin super"

Daniel Wall, Chef der Wall AG, spricht im Interview über neue Wartehallen, die Kooperation mit Decaux und seinen Vater Hans.

Daniel Wall (45). Foto: Doris Spiekermann-Klaas
Daniel Wall (45).Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Herr Wall, wann gibt es die erste „Avus“ in Berlin?

Die gibt es ja schon, und zwar in unserem Produktpark in Velten, wo wir unsere Stadtmöbel produzieren und neue Produkte ausstellen.

„Avus“ heißt die neue Wartehalle an Bushaltestellen, die mit beheizbaren Sitzflächen ausgerüstet ist.

Unter anderem. Wir haben dem Senat ein tolles Angebot vorgelegt und verhandeln darüber. Das neue Modell sieht gut aus, hat ein modernes Design und Funktionen, die es bislang nicht gibt. Zum Beispiel kostenloses W-Lan-Surfen und Auflademöglichkeiten für Mobiltelefone. Insgesamt wollen wir einen zweistelligen Millionenbetrag investieren.

Und dafür bekommen Sie zusätzliche Werbeflächen in der Stadt?

Nein. Aber es ist ein komplexes Thema, bei dem mehrere Senatsverwaltungen beteiligt sind. Und wir brauchen eine Refinanzierung für unsere zusätzliche Investition, die ja im Grunde eine Vertragsverbesserung für das Land Berlin darstellt. Zum Beispiel, indem wir einen Vertrag mit dem Land über Litfaßsäulen vorfristig verlängern.

Sie haben kürzlich Klaus Wowereit gelobt. Kann der bei dem Geschäft helfen?

Der Regierende Bürgermeister ist generell einer der besten Verkäufer Berlins. Wir hatten eine Veranstaltung von Decaux mit 400 Führungskräften aus aller Welt in Berlin. Die waren begeistert von der Stadt und von Wowereit, der eine Begrüßungsrede gehalten hat. Berlin international verkaufen – das kann er super.

Sie wählen Wowereit?

Ich denke schon. Wobei es an der einen oder anderen Stelle im Senat durchaus ein bisschen mehr Power geben könnte.

Das hört sich nicht so an, als gebe es vor der Wahl im September eine Entscheidung über die Wartehallen.

Schon möglich. Dabei wäre das eine Möglichkeit für die Politik, etwas Positives zu vermelden. Also einige hundert schöne, neue Wartehallen. Und darüber hinaus denken wir auch über den Bau einer neuen Vertriebszentrale in Berlin nach – sofern wir natürlich Investitionssicherheit bei den Wartehallen haben.

Wie entwickeln sich die weiteren Pläne zur Digitalisierung, nachdem 2010 der Bahnhof Friedrichstraße auf digitale Werbescreens umgestellt wurde?

Wir konnten den Umsatz dort vervielfachen. Als nächstes haben wir uns den Alexanderplatz und den Bahnhof Zoo vorgenommen. Das machen wir vermutlich Anfang 2012. Die Vorteile des Digitalen liegen in der Flexibilität und Passgenauigkeit: Das Plakat wird im Wochenrhythmus gewechselt, digital kann man viel leichter von Tag zu Tag oder sogar von Stunde zu Stunde die Werbung ändern.

Sie haben die Ausschreibung für Stadtmöbel und Werbeflächen in Wiesbaden gewonnen. Welche Städte kommen noch?

Frankfurt am Main, Lübeck, Braunschweig und noch einige kleinere. Als erstes wird Frankfurt entschieden.

Mit Hilfe Ihres neuen Eigentümers Decaux können Sie mitbieten?

Ja. Daneben gibt es auch Synergien, weil ein Konzern wie Decaux natürlich in anderen Größenordnungen einkauft und wir so insgesamt kosteneffektiver unsere Stadtmöbel produzieren können.

Es gibt Wall in Berlin und Decaux mit dem Deutschlandsitz in Köln. Sie als Wall-Chef verantworten den Vertrieb von Wall und Decaux von Berlin aus für ganz Deutschland. Wie passt das zusammen?

Wir sind für unsere Städte und für alle neuen Ausschreibungen zuständig, haben aber auch per Betriebsführungsvertrag seit 2011 die operative Führung für beide Gesellschaften inne. Decaux betreut die bisherigen Decaux-Städte weiter. Das passt also gut zusammen.

2007 war ein gutes Jahr, dann ging es zwei Jahre bergab. Wie geht es Wall aktuell?

2010 sind wir zweistellig gewachsen, und das ist auch im ersten Halbjahr 2011 so. Damit liegen wir besser als unser Hauptkonkurrent Ströer. Unser Ziel ist es, mittelfristig in Deutschland die Nummer eins zu sein. Das ist ambitioniert, denn Decaux und wir kommen zusammen auf einen Marktanteil von 23 Prozent, Ströer hat ungefähr doppelt so viel.

Und diese Lücke wollen Sie schließen?

Ja. Weil der Markt für Außenwerbung wachsen wird und wir mit Decaux optimal aufgestellt sind. Wir haben die besseren Produkte und sind in der besseren Position. Wir hätten im Übrigen viel früher mit Decaux zusammengehen sollen.

Ihr Vater war lange dagegen, dann hat er doch verkauft. Bleibt er noch Aufsichtsratsvorsitzender?

Mit ist nichts anderes bekannt. Aber er wird nächstes Jahr 70 Jahre alt, und womöglich hat er noch andere Pläne.

Er lässt Sie in Ruhe?

Total.

Das Gespräch führte Alfons Frese.

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