Wirtschaft : Wall-Konkurrent Ströer will im Ausland wachsen

Geld ist genug da – Deutschlands größter Außenwerbe-Konzern verzichtet auf einen Börsengang

Düsseldorf - Der größte deutsche Außenwerbe-Konzern Ströer verzichtet auf einen Börsengang. „Durch die Gründung unseres Gemeinschaftsunternehmens mit dem Finanzpartner Oaktree haben wir genügend Geld für die Expansion im Ausland. Uns stehen mehrere 100 Millionen Euro zur Verfügung“, sagte Ströer- Chef Udo Müller dem Handelsblatt. Ursprünglich wollte das Kölner Unternehmen 2008 an die Börse gehen, um die Internationalisierung voranzutreiben.

Ströer hat stattdessen zusammen mit dem Finanzinvestor Oaktree im Januar das Unternehmen Ströer Media International gegründet, um international stärker zu wachsen. „Der Druck, an die Börse gehen zu müssen, ist damit erst einmal raus“, sagte Müller. Noch macht der Konzern 86 Prozent seiner Erlöse in Deutschland. Doch das soll sich ändern. „Durch unser Gemeinschaftsunternehmen können wir unsere Markteintrittschancen in Schwellenländern gezielt nutzen“, sagte Finanzvorstand Alfried Bührdel.

Ströer strotzt derzeit vor Selbstbewusstsein. Der Umsatz wuchs nach Unternehmensangaben im abgelaufenen Geschäftsjahr um fast 23 Prozent auf 440 Millionen Euro. Der um Einmaleffekte bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) stieg um 4,5 Prozent auf 86 Millionen Euro. Die Aussichten sind weiter gut. „Wir gehen in diesem Jahr von einem zweistelligen Wachstum bei den Erlösen aus“, sagte Bührdel. Der Umsatz solle bei rund 500 Millionen Euro liegen. Im ersten Halbjahr stiegen die Erlöse bereits um elf Prozent auf 237 Millionen Euro.

Vor allem das Geschäft im boomenden Werbemarkt Türkei trug zu den guten Zahlen im vergangenen Jahr bei. Dort ist Ströer mit seinem Partner Akademi Reklam Marktführer. Zuletzt hat Ströer Verträge mit Istanbul und Bursa geschlossen. Das Wachstum setzte sich im ersten Halbjahr fort. Der Umsatz in der Türkei konnte auf knapp 14 Millionen Euro fast verdoppelt werden. „Wir gehen in der Türkei weiter von einem zweistelligen Wachstum aus“, sagte Müller. Ströer nimmt nun neue Wachstumsmärkte vor allem in Asien und den GUS-Staaten ins Visier.

Die Branche ist derzeit zuversichtlich. „Durch neue innovative Werbeformen wird die Außenwerbung weiter zunehmen“, sagte Volker Nickel, Geschäftsführer des Werbeverbandes ZAW. Den Aufschwung spürt auch der Ströer-Konkurrent Wall. Der Berliner Außenwerber hatte im ersten Quartal seine Umsätze um 24 Prozent auf 41 Millionen Euro steigern können. hps (HB)

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