Wall Street : Elektronische Fußfessel für Milliardenbetrüger Madoff

Keiner will dem ehemaligen Nasdaq-Chef mehr trauen: Der mutmaßliche Finanzbetrüger Bernard Madoff konnte nicht genug Bürgen für seine Kaution finden. Nun darf er sein Haus nicht mehr verlassen und bekommt eine elektronische Fußfessel. Die US-Finanzaufsicht SEC räumte in dem Betrugsfall Versäumnisse ein.

Bernard Madoff
Bernard Madoff auf dem Weg in den Gerichtssaal. -Foto: AFP

New YorkDie Bewegungsfreiheit des mutmaßlichen Milliardenbetrügers und ehemaligen US-Börsenchefs Bernard Madoff ist mit Hausarrest und elektronischer Fessel deutlich eingeschränkt worden. Die Kautionsauflagen seien am Mittwoch verschärft worden, weil Madoff nicht die geforderten vier Bürgen präsentiert habe, teilte ein Richter in New York mit.

Nach seiner Festnahme vor einer Woche sei es Madoff trotz einer Verlängerung der Frist um 24 Stunden nicht gelungen, vier Bürgen für die festgesetzte Kaution in Höhe von zehn Millionen Dollar (7,3 Millionen Euro) zu finden, erklärte Richter Gabriel Gorenstein. Daher sei der 70-Jährige unter Hausarrest gestellt worden. Der ehemalige Chef der US-Technologiebörse Nasdaq müsse eine elektronische Fessel tragen und sich an eine nächtliche Ausgangssperre zwischen 19 Uhr und 9 Uhr halten. Um Madoff vor dem Gefängnis zu bewahren, stimmte außerdem seine Frau zu, dass Besitztümer von ihr in New York und Florida als Sicherheit dienen und sie wie zuvor ihr Mann ihren Pass abgibt.

SEC: Vorwürfe ein Jahrzehnt lang nicht gründlich geprüft

Die für Mittwoch angesetzte Anhörung Madoffs sagte Richter Gorenstein ab. Der Fall Madoff ist einer der größten Betrugsfälle aller Zeiten. Die US-Behörden werfen ihm vor, mit dem Geld frisch angeworbener Investoren die Renditen bereits vorhandener Investoren gezahlt zu haben. Madoff soll Anleger in aller Welt um insgesamt 50 Milliarden Dollar geprellt haben.

Die US-Finanzaufsicht SEC räumte im Fall der Milliarden-Betrügereien unterdessen Versäumnisse ein. SEC-Chef Christopher Cox sagte, er sei "äußerst besorgt" darüber, dass fundierte Vorwürfe gegen Madoff von seinem Haus "während mindestens eines Jahrzehnts" nicht gründlich geprüft worden seien. SEC-Mitarbeiter hatten demnach seit 1999 "wiederholt" glaubwürdige, detaillierte Informationen über Madoffs Machenschaften bekommen, aber nie ein Eingreifen der Finanzaufsicht empfohlen.

Verdacht auf Vetternwirtschaft

Am Dienstagabend (Ortszeit) kündigte die SEC interne Ermittlungen zu den Versäumnissen an. Unter Führung des SEC-Chefprüfers David Kotz solle jetzt untersucht werden, was genau Madoff und seinem Unternehmen in der Vergangenheit vorgeworfen wurde - und warum die Aufsichtsbehörde stillhielt. Es gehe dabei auch um die "Kontakte und Beziehungen von Mitarbeitern zur Familie und der Firma Madoffs" und wie diese sich womöglich auf Entscheidungen der SEC-Angestellten zum Madoff-Imperium ausgewirkt hätten.

Kotz sagte dem "Wall Street Journal" vom Mittwoch, er wolle die Beziehung zwischen Madoff-Nichte Shana Madoff und dem früheren SEC-Prüfer Eric Swanson durchleuchten. Swanson hatte zehn Jahre lang für die Finanzaufsicht gearbeitet. Als er das Haus 2006 verließ, war er schon mit Shana Madoff zusammen. Ein Jahr später heiratete das Paar. (goe/AFP)

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