Warenhäuser : Das Problem Karstadt wird größer

Die Kauflust der Deutschen hält sich in Grenzen, das bekommt auch Karstadt zu spüren: Die Warenhäuser machen Verluste und belasten den Mutterkonzern. Nun müssen die Mitarbeiter um ihre Jobs bangen.

Christoph Schlautmann
Karstadt
Karstadt bleibt auf Sparkurs. -Foto: Keystone

DüsseldorfDie Warenhauskette Karstadt rutscht erneut in die Krise und belastet den Essener Mutterkonzern Arcandor schwer. Wie Konzernchef Thomas Middelhoff am Mittwoch berichtete, weitete Karstadt im Sommerquartal den operativen Verlust auf 51 Millionen Euro aus. Im entsprechenden Vorjahreszeitraum hatte das Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) nur bei minus acht Millionen Euro gelegen.

Im Gesamtkonzern hinterlässt dies tiefe Spuren. Obwohl es in den zwei übrigen Sparten - dem Versandhandel und dem Reisegeschäft - leichte Ergebnisverbesserungen gab, verdiente Arcandor 28 Prozent weniger als im entsprechenden Vorjahresquartal. Damit ist die Sanierung des Konzerns, die ursprünglich Ende September abgeschlossen werden sollte, zunächst gescheitert.

Zudem überraschte Arcandor gestern mit einer Gewinnwarnung. Statt der angekündigten 1,3 Milliarden Euro werde man im kommenden Geschäftsjahr nur noch 1,1 Milliarden Euro Ertrag (Ebitda) verbuchen, revidierte der Konzern seinen Ausblick. Zudem werde man für drohende Verluste aus den Pleiten der Ex-Töchter Hertie, Sinn-Leffers und Wehmeyer Rückstellungen bilden. In der Summe rechne der Vorstand mit Zusatzbelastungen "in einem kleinen bis mittleren zweistelligen Millionenbetrag". Gläubiger ist Arcandor sowohl als Vermieter als auch als Warenlieferant. An der Börse verlor die Aktie am Mittwoch fast 13 Prozent.

"Die aktuellen Zahlen sind eine einzige Katastrophe", sagte Branchenexperte Hans-Peter Wodniok vom Analystenbüro Fairesearch. Besonders bedenklich sei die nach wie vor hohe Nettoverschuldung von 1,53 Milliarden Euro. Schließlich stünden den Banken - im Gegensatz zu früher - nun keine Immobilien mehr als Sicherheit zur Verfügung. Das Gesamtpaket seiner Häuser im Wert von 4,5 Milliarden Euro hatte Middelhoff im Frühjahr an Finanzinvestoren verkauft.

Um den gefährlichen Niedergang zu stoppen, hat Middelhoff erneut einen Sparkurs für Karstadt angekündigt und sich zugleich Hilfe vom Konkurrenten Kaufhof geholt. Dessen ehemaligen Vorstand Stefan Herzberg setzte Middelhoff vor zwei Wochen an die Spitze seiner Warenhaustochter. "Die Sanierung wird nicht ohne Personalabbau gehen", kündigte Arcandor-Finanzchef Peter Diesch an, der die Sparmaßnahmen als Karstadt-Aufsichtsratschef überwacht. Zudem werde die Weiterführung von elf der insgesamt 91 Warenhäuser überprüft.

Keine Fortschritte gibt es indes bei der bereits vor vielen Monaten angekündigten Warenhausallianz, die nach dem Willen Middelhoffs Einkaufsvorteile bringen soll. Eine gegenseitige Kapitalbeteiligung mit der französischen Warenhauskette Printemps und dem italienischen Wettbewerber La Rinascente ist ebenso wenig in Sicht wie die anvisierte Übernahme der Metro-Tochter Kaufhof. Entsprechend vage äußerte sich Middelhoff deshalb gestern zur Akquisitionsstrategie seiner Warenhauskette. "Wir haben mehrere Alternativen. Wir arbeiten daran, wir wollen es machen, wir werden es machen." HB

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